„Dann vermag aber die Zeit doch lediglich weg zu nehmen?“
„Allerdings. Darum vermöchte sie allein wohl nie, durch bloßes Abschleifen, die Vollkommenheit einer Helice zu erzeugen, weil ihr hiezu das Konstruktive fehlt. Aktive Schönheit der bloß passiven gegenüber. Diese wird primär von innen heraus vollendet, — sekundär, von außen hinein — jene. Echt aber sind sie beide. Und wie echt zu echt stets paßt, so deiner Mutter Haus, bei aller Verschiedenheit im Konstruktiven, zu dieser Pettah — zu diesen Brunnen, Trögen, Türen, Bolzen.“
Horus erstaunte. „Ja, gibt es denn auch auf der Welt ‚unechtes‘ Gerät? — Wo? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Etwas eigens für etwas machen, zu dem es nicht taugt. Ungeratene Geräte!“
Er lachte. War’s aber im übrigen zufrieden. Gab nun im Vorübergehen Brunnenrändern ab und zu einen aufmunternden Klaps in die läuternde Zeit hinein, sich ja fleißig von ihr aussparen zu lassen, da ihnen nun einmal das Glück versagt geblieben, aus dem Geist europäischer Technik entsprungen zu sein.
Erasmus aber sagte schnell etwas Falsches — etwas ganz und gar Banales; hatte schon zu viel besser gewußt heute. War auch je und je auf der Hut gewesen, sein Axiom zu verraten, auf welche Art ein Mensch das Höchste aus sich zu ziehen vermöge: mindestens zwei, von einander so weit wie möglich abliegende Wissenschaften betreiben und dazwischen versuchen, in einem Sport der erste zu werden. Er ließ Horus selbst darauf verfallen.
„Du hast immer einen so wunderbar durchbluteten Geist,“ meinte dieser eines Tages. Er war ins Laboratorium gekommen, Erasmus zum Bade abzuholen. „Woher das kommen mag?“ Er hatte ihn in vorzüglicher Stimmung getroffen.
„Weiß nicht. Vielleicht, weil ich faul bin. Ich ruhe mich immer so schön frisch aus: vom einen beim andern.“ Sie liebten beide, wo es anging, kindliche Diktion. Schätzten den Charme gepflegten Vorsichhinblödelns zuweilen.
„Und dazwischen schwimmst du wie toll, besser sogar wie Aditja — so gut wie die allerbesten Krokodile. Aber das wird es eben sein: erst da denken — dann ganz wo anders und dazwischen gar nicht — nur leben, die Nerven entlang das letzte herausholen für etwas, das so vornehm ist, keinen Zweck mehr zu brauchen.“
Eifervoll entwickelte er nun alle Vorzüge polarer Interessen rechts und links von einem Sport. Da Erasmus zu zweifeln schien: „Du glaubst mir nicht — an mir selbst will ich es dir beweisen.“
Nach einem halben Jahre kam er dann und klagte ein wenig: