„Oh bitte, Mr. Elcho, wie sagt man: Eau de Cologne auf französisch?“
Ach, man sagte auch auf französisch so. Wie, sie gingen schon. Ob sie nicht einen Augenblick warten, dann mit ihr und mommo zu Callot, Cheruit, D’Oeillet fahren wollten? Um dort Geld ausgeben zu können, müsse man eben manchmal hierher und sparen. Sie erlegte dabei tugendstolz an der Hauptkasse 400 Frs. für einen üblen Turm von Dingen, die weder Mensch noch Vieh zur Lust.
Ja richtig, eine Gesichtscreme brauche sie noch.
Die Verkäuferin frug, welche.
„Irgendeine, von einer guten Firma. Ja, auch einen Puder dazu. Ja, auch ein Toilettewasser, ganz gleich welches, nur nach sweet-pea müsse es riechen. Ja, einen Lippenstift. Ja, Haarwasser, aber ein gutes, sie verlasse sich da ganz auf die Verkäuferin.“
Über seinen ganzen Körper hin spürte er jetzt Gargis Erstaunen, dieses Verschweben der wissenden Dame in mitleidige Ferne, und ärgerte sich, daß er über die fremde Europäerin sich ärgerte. Was ging das schließlich ihn an, wenn hier die mehresten Frauen faniert aussahen, mit einer zersetzten Haut, von Metallen und Säuren schwammig angefressen?
Was ging das ihn an, daß sie nicht einmal die chemische Zusammensetzung kannten von dem, was sie hineinrieben in das köstlichste, verletzlichste, persönlichste Gebilde: die Haut. Zu faul, fahrig und unwissend, die ihr allein wohltätigen Dekoktionen aus Harzen und Blüten sorgfältig zu erproben, deren Bereitung selbst zu überwachen?
Was ging es ihn an, wenn sie, statt die Anmut aller Tiere, aller Ranken und Wellen in sich zu bilden, auf daß der Mann an ihnen die ganze Schöpfung auf einmal streicheln könne, vermeinten, den Liebreiz eines Tieres zu ergattern, indem sie ihm das Fell über die Ohren zogen? Ja, es ging ihn an:
„Pallas und Nausikaa“ im Warenhause.
Die nächsten drei Wochen waren Gargis europäischer Ausstattung bei den großen Coutüriers gewidmet, und er lernte mancherlei: daß die eine Hälfte der Frauen immer die andere Hälfte verachtet, weil sie entweder zu viel oder zu wenig tote Vögel auf dem Kopf hat. Daß eigener Wahn und fremde Aktiengesellschaften mit ihrem ungeheuren Apparat die Europäerin zwangen, jedes halbe Jahr Milliarden auszugeben, damit ja kein Stil an ihr sich bilden könne, denn Stil braucht, wie alles Organische, zum Entstehen — Zeit. Mode: Todfeindin des Organischen, aber hatte zu wechseln als das, was sie sein sollte: anregender Fausthieb auf die Netzhaut für den optisch Impotenten, dem man alle drei Monate ganz verdreht den Frauenkörper um die Sinne klatschen muß, auf daß er merke: das sind Frauen. Fausthiebe aber bedürfen steter Erneuerung, um gespürt zu werden.