— — „?“ — —
„Er sah zu, wie ich mit einer Quadriga von Kolibris über unsrem Golfplatz aufzukreuzen versuchte, und bewies mir mit Hilfe kolossaler Differentialgleichungen, wie wenig Sinn das hätte. Er selbst aber sei gern bereit, mich mitzunehmen. Nur, vorher — darauf müsse er bestehen — sei ein Probeflug nötig. Womöglich auf einem Eisvogel.
Ein vermietbarer Eisvogel war sofort zur Stelle. Dort, wo das Türkisblaue ist, legte ich mich auf die Flügel. Er schoß schräg herab, ritzte den Weiher dann so steil an Bethelranken vorbei zu Arekapalmenhöhe, daß mir das Licht ins Herz schnitt. Der Falke kommandierte. Das Weibchen des Eisvogels saß neben ihm, und zwischendurch erklärte er ihr das Ganze.
„Aber es gibt Sie doch gar nicht hier,“ fuhr ich plötzlich mein Flugzeug an; „Eisvögel auf Ceylon!“
Es war ein dummer Wortwitz, aber er schien sichtlich betreten. Ich lenkte ein:
„Aber von mir aus können Sie ruhig hier vorkommen.“
Er murmelte etwas von „verdammter Ornithologie“, versuchte es aber englisch auszusprechen, verwickelte sich rastlos im Akzent, wurde immer böser und schließlich so voll Trotz, daß er schwebend die Erde unter sich durchrotieren ließ, um an sein korrektes Vorkommen zu gelangen. Dreimal verpaßte er es, als es unter ihm durchsauste. Das wurde dem Falken zu dumm, und er nahm mich zu sich herüber. Es war ein braunseidner Falke, wie er auf unsren chinesischen Holzschnitten in Rhododendronwipfeln spitzgefiedert steht.
Von dort schweifte er mit mir auf. Wie ich so gebreitet lag im staubigen Zimtduft der großen Federn, schlossen sich meine Schultern genau dem Schwung seiner Flügel an. Meine Arme begrenzten sie als lichte Säume. In den gespreizten Federfingern war eine schwingende Kraft. Ich trug mich selbst durch die anstürmende Bläue. Auch im Herzen war ich ihm und in den goldnen Augen. Nur die Gedanken blieben mein. Ich genoß den Raum wie eine Symphonie der Richtungen. Leer von Dingen, mit nichts als diesem unirdischen Äthersturm unter den Flügeln, ließ ich mich in einer wundervollen Kurve, die der Wille meines Blutes schrieb, in den oberen Lichttrichter hinaufsinken. Den Sonnenkern im Auge.
Was mir dort geschah, war so schön, daß ich es nicht mehr weiß.
Mir ist nur, als wäre die Spitze meines Herzens leuchtend geworden und mit ihm die Adern an meinem Haupt. Und von der hundertundersten Ader ging ein Strahl hinaus — bis in den Herzkern der Welt, um den alle Ströme und Wirbel treiben. Nach zeitlosen Wonnen kam ich mir zurück aus Ader und Strahl. Lag wieder als Körper in braunseidenen Schwingen und sagte schwer von Abschied: