„Saumäßig schwätzet se daher,“ fuhr er Napoleon an, den er heimlich im Verdacht hatte. Es half. Die Antworten ebbten wieder ins Verständige zurück. Was hatte sich ereignet? Horus war es bei dieser seiner ersten Séance schon nach drei Minuten klar geworden, die Klopflaute müßten sich durch Spannungen im Holze der Platte willkürlich erzeugen lassen: gleichmäßiger, dauernder, geschickt verteilter Druck ruhender Fingerspitzen den Flader entlang und dann wieder plötzliches Nachlassen dieses Druckes, würden wohl genügen, um bei dem gewünschten Buchstaben ein leises, kurzes Krachen zu erzwingen.

Nach einer Weile riskierte er diskret den Versuch. Der gelang sofort. Nun war es ihm eine Erheiterung, dem Phänomen konstant die Pose zu verpatzen; in jedes Wort irreparable Buchstaben hineinzuklopfen. Nach Eiseles Zuruf hörte er auf. — Die Methode war ergründet, jetzt hieß es nur noch den eigentlichen Klopfer herausfinden, und ob sein Ziel schlichthin idiotisches Gesellschaftsspiel in after dinner Mystik bedeutete oder Zweckhafteres vielleicht.

Die Damen — sie hatten wohl in ihrem Leben noch nie einen Flader am Holz bemerkt — schieden allesamt von vornherein wegen geistiger und manueller Minderwertigkeit aus, desgleichen Monseigneur. — Friedolin Eisele? Nein — ein Rindvieh voll Lauterkeit. Es war eben ganz einfach nicht mehr zu leugnen, Horus hatte eine Schwäche für ihn gefaßt, seit Eisele nach der lauten Auseinandersetzung mit Napoleon noch leise leise, nur Luchsohren vernehmbar, auf den Korsen den großen Fluch seiner Tribus geschleudert:

„Daß di’s Meisle beischt.“

Es dünkte ihn der herzigste Fluch, den er je gehört: das Ärgste, was ja überhaupt passieren konnte, war, daß er eben in Erfüllung ging ... schließlich schien das Malheur dann noch immer nicht gar so groß.

In die engere Wahl kamen somit du Perron, das Birnenschaf und Quadrupedescu: Deponens von Clubmann und Hundedresseur.

Sensation! Im Tisch erschien Moltke, nannte den Namen eines osmanischen Prinzen und prominenten Heerführers, der eben jetzt im Balkankriege gegen Bulgarien im Felde stand. Aller Augen wandten sich Lady Cadogan zu. Man wußte, daß sie, seine langjährige Freundin, auch ihn durch fast unbegrenzten Einfluß zum Spiritismus zu bekehren vermocht. Totweiß über den Tisch gelehnt, ganz benommen vor Stolz über die eigene Bedeutung, harrte sie weiterer Botschaft. Warnung kam: wenn bestimmte Armeekorps, ihre Nummern wurden genannt, die gegenwärtig für den soundsovielten bestimmten Bewegungen ausführen würden, fiele Adrianopel in Feindeshand.

Ungeheure Erregung. Lady Eveline nahm jedem Teilnehmer das Wort unverbrüchlichen Schweigens ab, ehe sie nach einem Telegrammformular hinausstürzte, in der nur ihr und dem Prinzen bekannten Chiffrenschrift das vom Geiste Moltkes ergangene Verbot unverzüglich zu drahten. Die Sitzung fortzusetzen, fiel niemandem mehr ein.

Madame Bavarowska stieß plötzlich aus allen Körperöffnungen schwarze Schleier aus, hatte ein Stück schwarzes Fließpapier — kein Mensch wußte woher — vor sich auf den Tisch gebreitet und zog aus ihrer juwelenbesetzten Goldtasche ein Paket Spielkarten von geradezu phantastischem Schmutz.

Ob man sich weissagen lassen wolle? Den ekelerregenden Zustand der Karten begründete sie durchaus plausibel damit, jene stammten aus einer Kaperbeute ihrer Vorfahren mütterlicherseits, die alle berühmte Seeräuber im Schwarzen Meer gewesen. Andre Familien behaupteten solches zwar auch, von der ihren sei es aber dokumentarisch nachweisbar.