„Nur daß man den vorjährigen Hut heuer nicht mehr zu tragen braucht, die vorjährige Operation leider stets. So trägt die Weiberherde immer eingeschnitten Marke und Datum des jeweiligen gynäkologischen Pferchs. In jedem Dampfbad können sie an Art und Lagerung der Schnitte die ärztlichen Moden der letzten Generationen studieren.

„Jahresringe der Wissenschaft am Bauch der Frau.

„Wir Alten tragen die machtvollen Spuren der Totalexstirpation, aus Zeitläuften, wo man das fröhlich machte, ohne süßes Ahnen, daß Gesamtverblödung, Schwund der Persönlichkeit erfolgen müssen. Kurz, was jeder Vollsinnige sich eigentlich ohne Experiment hätte sagen können, daß, wenn man einem Sexualwesen, wie der Frau, ihr zweites Ich, ihr großes Ur-Ich ausreißt, dies ihr immerhin schaden dürfte. Darauf waren sie aber dann besonders stolz, feierten es als höchsten wissenschaftlichen Triumph, herausgefunden zu haben, ihre Operation trage Ursach am Zugrundegehen des Patienten.“

Eine Zigarette nach der andern drehend, sprach sie wie im Fieber fort:

„Der vorletzte Wurf weist als Uniform der Verunstaltung den queren Blinddarmschnitt auf, die ganz jungen Frauen aber erkennt man an der Marke: Eierstockzisten. Da wird es wieder so zwanzig Jahre dauern, bis an den feineren Karnickelreaktionen, Versuchen an temperamentvollen Lurchen sich die desaströsen Folgen erweisen und Frauen in der Zeitung lesen können, welche Sinne ihnen damals eigentlich weggesäbelt wurden.

„Die ganze Chirurgie lebt ja von Verstumpfung, Vergröberung, sinnlicher Verarmung einer Menschheit, die gar nicht mehr von selber draufkommt, daß eine Reaktion entfällt, schneidet man ihr Organteile heraus. So haben es die Leute jahrzehntelang nicht gemerkt, wie sie zu Kretins werden, entfernt man ihnen die ganze Schilddrüse, wie sie vergreisen, wo die Generationsdrüsen fehlen. Begreifen Sie, Elcho: einfach nicht gemerkt, welche Edelrasse! Erst an den Ratten hat sich dann der ganze Betrieb als unhaltbar erwiesen; die drüben von der Biologie haben das Geschäft verpatzt, eine Verlegung der Finanzoperationen nötig gemacht.

„Und ihr Internisten,“ sie fauchte gegen Sobelsohn, „ihr seid die Lanzettfischchen dieser Schwerthaie im Ozean der Verstumpfung. Da hat man Eisen, Phosphor, Schwefel, organisierte Minerale, Verbindungen und Aberverbindungen aller chemischen Elemente in einer Feinheit und Variation im Körper, die organische Chemie noch lange nicht darzustellen vermocht.

„In diesen zartesten Chemismus der Welt — fein, daß an ihm subtilste Reaktionsmethoden noch versagen, schüttet ihr nun — damit ja nichts auf dem Kehrichthaufen der Farbfabriken verkomme, deren Aktionäre ihr seid — eure Medikamente relativ tonnenweise hinein, wo die Natur nur in homöopathischen Dosen regulieren kann und soll. Da wird mit Hilfe eurer scheinbar harmlosen Hydrogauner in Bädern und Sommerfrischen dem Publikum erst einmal der Unfug der Unselbständigkeit angezüchtet. Daß einer erst einen Arzt fragen muß, was er essen soll — der es ebensowenig weiß — noch als Erwachsener seinen Leib: den Kern der Sinne so wenig empfinden gelernt hat; so etwas war ja seit Anbeginn der Kreatur noch nicht da — außer vielleicht bei einigen Arten degenerierter Raubameisen, die sich im Bau eigenes Geziefer halten müssen, weil sie ihr Futter nicht mehr allein zu finden imstande sind.

„Hier mörtelt sich der Sonderschwindler, pardon: Spezialist, dem Gefüge ein. Hier kommen die Alchimisten der Medizin zu Wort. Eigene Lehrstühle werden errichtet zur Überleitung eines Gebrestes ins andere — daß nur nichts verloren gehe. Man muß es ihnen lassen: die Transmutation der Krankheiten ist lückenlos gelungen. Fundament aber bleibt stets die natürliche Schlechtrassigkeit; auf dieser wird durch falsche Pubertätshygiene zuvörderst Bleichsucht gezüchtet, aus dieser durch Überfütterung Fettsucht — aus dieser im reifen Alter durch Sarkomdiät: Diabetes. Dann sagen sie: Koma — und kommen sich weise vor.

„Sterben aber darf einer noch lange nicht — oh, das kostet noch Tausende. Adrenalin, Theobromin, noch ein Stich in die arme zähe Haut und noch eine Injektion.