»So! Du, sei nicht bös auf mich,« sagte das Mädchen langsam und bedächtig und sah ihm gerade in die Augen. »Ist das lange Mädel dein Schatz?«
»Du bist einzig!«
»Weshalb nicht,« sagte sie einfach. »Gefallen thät' sie mir nicht; aber Geheimnisse haben wir doch nie vor einander gehabt.«
»Übrigens ist sie nicht mein Schatz. Sie möchte wohl. – Weißt du, die Frauenzimmer. – Wenn ich dich und die Mutter nicht kennen würde … was man so von Frauenzimmern zu sehen bekommt – Gott weiß – wie soll ich sagen …« Er schwieg und sie blickte mit Aufmerksamkeit auf ihn. »Weißt du, man sagt doch so: das Weib soll rein sein.«
»Ja, sie sollen alle gut sein, die Weiber und die Männer – sie sollten – sie sind aber beide gute oder böse Menschen, oder reine oder schmutzige Menschen – so.«
»Ja – na. – Was sagst du dazu, wenn ein junges Frauenzimmer einen anredet, wie soll ich sagen … als wenn sie verliebt wäre – so – weißt du?«
»Wie denn, da wispert sie dich auf der Straße an – oder wie?«
»Jawohl. Nennst du das rein?«
»Wenn du so irgend etwas herausgreifst – wie soll ich's da wissen. Da müßt' ich erst das Mädel kennen und genau erfahren, wie es gekommen ist, daß sie dich so anspricht. Sie thut es doch nicht so aus heiler Haut, wenn es auch so aussieht, da ist eine lange Geschichte – vielleicht eine traurige Geschichte. Aber zieh weg aus der Salzstraße. Gar, wenn du weißt, daß das lange Mädel dein Schatz sein möchte. Da blieb' ich doch nicht, wenn ich wüßte, ein Mann will mein Schatz sein, und ich mag nicht. Schau, Ihr thut Euch leicht.«