Aber das Eis hielt immer noch trotz alledem, und es wollte mir schon ein ganz klein bißchen besser zu Mut werden.

Ich laufe und laufe – da, bums, krach, da liege ich lang ausgestreckt, oder vielmehr, ich liege nicht, sondern fliege im Kreise herum, und der Schädel brummt mir so, daß ich eine schöne Zeit brauche, bis ich ordentlich zur Besinnung komme. Erst denke ich natürlich, ich bin eingebrochen und alles ist aus; und weiß Gott, einen Augenblick war ich ganz zufrieden, daß die Höllenangst ein Ende hatte, und ich das verfluchte Knistern nur nicht mehr hörte.

Allmählich aber merkt' ich denn doch, daß ich nicht unter dem Eise, sondern auf dem Eise lag, und daß ich bloß über einen losgegangenen Riemen gestolpert war.

Und da hatt' ich nun zuerst eine große Freude: wenn das Eis den Prall aushält, dacht' ich, dann hat's keine Not, dann war das ganze Knistern bloß Spiegelfechterei zum Bangemachen, und du bist hier so sicher wie auf dem Tanzboden. Das heißt, das war hauptsächlich so eine Art von Renommage vor mir selber, denn ich wußt' doch ganz gut, daß solches Knistern und Knacken immer was zu bedeuten hat; ich war wohl bloß so davongekommen, weil ich so glatt hingerutscht war und sich die Last des Körpers im Liegen verteilte. Vielleicht war's auch aus Zufall eine festere Stelle gewesen.

Mit der Freude war's bald zu Ende: indem ich aufstehe und wieder meine Richtung nehmen will, ja, zum Schockschwerenot, wo ist denn meine Richtung?

Ich war beim Fallen so rundum geschmissen, daß ich nichts mehr wußte von Norden noch Süden, noch Osten, noch Westen.

Der Schreck war nicht schlecht! Der kalte Schweiß brach mir aus am ganzen Leibe, und ich wäre beinahe wieder umgefallen und liegen geblieben.

Aber natürlich faßte ich mich schnell und mußte ordentlich lachen über meine Dummheit. Wenn man eine so schöne steife Brise zum Wegweiser hat, braucht man wahrhaftig keinen Kompaß und keinen Leuchtturm. Immer nur stramm gegen den Wind an, und ich mußte notwendig irgendwo bei unserem Nest in der Nähe ans Land kommen; und dann fand ich mich schon zurecht, auch bei Nacht und Schneegestöber.

Also los. Immer gegen den Wind und gegen den Schnee. Und der Schnee wurde immer dicker, und der Wind immer toller, und manchmal gab's einen Wirbel, daß mir Hören und Sehen verging: ich arbeitete wie ein gepeitschter Gaul und merkte doch kaum, daß ich vorwärts käme. Das Ausschreiten mit den Schlittschuhen war eine richtige Schinderei geworden.

Und endlich war ich so weit, daß ich gegen Sturm und Schneedecke nicht mehr aufkommen konnte; ich mußte die Eisen abschnallen und auf Schusters unbeschlagenem Rappen weiter traben.