Die alte Frau träumt und spinnt an ihren Gedanken.

Da – was ist das?

Der Sturm trägt wie auf Flügeln einen rhythmisch munteren Pfiff zu ihrem Fenster herauf; ganz wie damals in der Wünschengasse, als sie beim Fasanenessen saßen.

»Das ist er, wie vor sechzig Jahren!« sagt sie leise bewegt zu ihrer Enkelin – »das ist Budang!« Und wie ein milder Glanz geht es über das Gesicht der Greisin. – »Das ist er!« nickte sie träumerisch.

»Siehst du, so pfiff er immer, der Budang, wenn er uns abholen wollte; so pfiff er, wenn er wissen wollte, ob der Vater nicht mehr daheim sei, und ob er mit den beiden andern heraufkommen dürfe!«

Da tut sich die Tür auf. Ein schöner, kleiner, alter Mann tritt ein, in tadellosem Anzuge, blütenweiß und rabenschwarz; so tadellos, daß es sofort wie etwas Besonderes auffällt. Er hat einen gescheiten Kopf mit lebendigen, geistvollen Augen – und seine silberweißen, dichten Locken liegen ihm wie eine helle Wolke über der Stirn. – Er hat eine Art geistvoller Grazie in Blick und Bewegung.

»Wie geht's der Röse?« fragt er.

Röse streckt ihm die feine Hand entgegen.

»Goullon,« sagt sie bewegt mit hellen Tränen im Auge, »du kannst ja noch deinen Pfiff!«

»Gelt,« antwortet der Geheimrat, den sie sonst den »Budang« nannten, »das freut dich?«