»Fällt ihr nicht ein,« zürnte Budang; »wie soll sie darauf kommen, dich anzufassen? Schließlich war sie doch eine vornehme Dame, und die wird sich doch nicht im Grabe solche Handgreiflichkeiten angewöhnt haben!«
»Laß doch,« meinte Ernst Schiller, »sie mag das nicht hören!«
Marie war jetzt im Grund ihres Herzens tief erregt; das nächtliche Ausreißen von daheim, die dumpfe Sorge, daß sie doch etwas Unrechtes thäten, das schauerliche Ziel, die vermutliche Nähe des Entsetzlichen, – all das hatte sie überwältigt, und sie brach in Thränen aus.
Seele und Körper erschauerten ihr. Sie suchte eine Stütze; Röses Hals umklammernd, weinte sie bitterlich.
»Marie,« schalt Budang, »sei doch vernünftig!«
Die drei Freunde standen um die Ratsmädchen her und wußten nicht, was beginnen.
»Laßt sie nur!« sagte Röse. Und beide Mädchen steckten ihre blonden Köpfe ganz dicht zusammen, und die jungen Körper schmiegten sich fest einer an den andern.
Der Mond schien hell über sie hin.
»Röse,« bat Marie schluchzend, »nicht wahr du, wir verlassen uns doch nicht?«
»Nein,« sagte Röse, »gewiß nicht.«