Zu welch einer fröhlichen, gesegneten Generation gehörten die beiden Ratsmädel, die mit ihren Kameraden und Kameradinnen ein sorgenloses, unbedrücktes Leben führten!

In aller Harmlosigkeit schwänzten sie die Schule und trieben ihren Schabernack, wie wir wissen, mit Nachbarn und Nachbarinnen.

Wie bedrückt und unfrei erscheint die Jugend in unseren Tagen, der das Harmloseste als Vergehen, jeder Freiheitsdrang, der sie einmal von ihrem ehrbaren Wege ablenkt, als schwer strafbar gekennzeichnet wird.

O, du arme heutige Jugend! Ahntest du, welchen Reichtum „Jugend“ im Anfange jenes Jahrhunderts umschloß, welchen Überschwall von Leben! Du könntest dich bitter beklagen, gekränkt und betrogen würdest du dir erscheinen, von Anfang an gealtert, in Pflichten eingezwängt! Welchen trübseligen Eindruck würden deine kärglichen Freiheitsstunden dir geben, die man klug und berechnend wie eine Medizin, nach Überanstrengung dir zugemessen hat, wenn du vergleichen könntest! Wenn du wüßtest, was ich weiß!

Ja, ein unbefangenes, menschenfreundliches Auge findet, trotz aller weisen, sachgemäßen Widerlegung, daß es dir, o Jugend, übel in unseren Tagen ergeht!

Doch auf und nieder bewegen sich die Ereignisse auf Erden, und es kommt eine Zeit, wo die Jugend wieder aufatmen kann.

So ruhig und bedächtig geht es nicht fort, wie jetzt.

Aus Bewegung, aus Kampf, aus Besorgnis der Erwachsenen, der Alten, werden ihr wieder unbeaufsichtigte, berückende Freiheitsstunden erstehen, — aber wann?

Jetzt zu jener vergangenen Zeit, die den jungen Herzen von damals ihre Wünsche, ihre Rechte, ihr Streben nach Wundersamem, Bedeutungsvollem im reichsten Maße erfüllte.

Röse und Marie waren, wie wir aus dem ersten Teil ihrer Abenteuer und Erlebnisse erfahren haben, noch zur rechten Zeit in die Hände der Jungfer Concordia geraten und zu der Freundschaft von deren Neffen, des guten, vortrefflichen Budang, ehe alle Aussicht, daß sie etwas lernten und ein paar tüchtige Mädchen wurden, bei ihnen verloren war. Ihr Budang hatte ihnen treulich geholfen, daß sie mit Ach und Krach bis zu einer höheren Klasse ihrer Schule gekommen waren. Was für ein guter, prächtiger Junge war doch dieser Budang! Seit die beiden Mädchen ihn kennen gelernt hatten, schien für sie gesorgt.