Jan Breydel mußte mit fünfzig seiner Leute während der Nacht Wache halten. Sie saßen alle auf kleinen hölzernen Stühlen rund um einen Tisch unter dem Dache, das sie vor Tau und Regen schützte; ihre Beile blitzten im Widerschein des Feuers und glimmten in ihren Händen auf, als ob sie glühende Waffen wären. Man konnte im Finstern die von ihnen ausgestellten Wachen auf- und abschreiten sehen. Vor ihnen auf dem Tisch standen ein großer Krug Wein und einige zinnerne Kannen, und obgleich ein Trunk ihnen nicht versagt war, so konnte man dennoch merken, daß sie sehr mäßig tranken. Denn nur selten führten sie die Kannen zum Munde. Sie lachten und schwatzten heiter, um die Zeit zu verbringen, und sprachen schon im voraus von den schönen Schlägen, die sie den Franzosen beibringen wollten.

„Nun soll mal einer sagen,“ rief Breydel, „daß die Vlaemen ihren Vätern nicht gleichen, wenn sich ein Heer, wie das unsrige, aus freiem Willen versammelt! Jetzt mögen die Franzosen nur kommen mit ihren zweiundsechzigtausend Mann! Je mehr Wild, desto besser die Jagd. Sie sagen, wir wären ein Haufen schlechter Hunde; aber sie mögen Gott bitten, daß sie nicht gebissen werden. Die Hunde haben gute Zähne.“

Die Fleischer lachten herzlich über die scherzenden Worte ihres Obmannes und blickten dabei auf einen greisen Gesellen, dessen grauer Bart sein hohes Alter bezeugte. Einer von ihnen rief ihm zu:

„Ihr, Jakob, werdet sie wohl nicht mehr beißen können!“

„Wenn meine Zähne auch nicht so gut sind wie die Eurigen,“ brummte der alte Fleischer, „so habe ich doch ein Beil, welches schon lange ans Beißen gewöhnt ist. Ich möchte wohl zwanzig Maß Wein auf die Wette wagen, wer von uns beiden die meisten Franzosen zur Hölle sendet.“

„Es gilt,“ rief der andere, „wir wollen sie zusammen austrinken; ich gehe und hole sie.“

„Oho!“ rief Breydel, „wollt ihr euch wohl still verhalten! Trinkt morgen; denn das sage ich euch: den ersten von euch, der sich betrinkt, lasse ich in Kortrijk einsperren; er soll am Kampfe nicht teilnehmen.“

Diese Drohung übte eine wundersame Wirkung auf die Fleischer aus; die Worte erstarben auf ihren Lippen, und keiner von ihnen rührte auch nur mehr ein Glied. Einzig der alte Fleischer wagte noch zu sprechen.

„Beim Barte unseres Obmanns!“ rief er, „wenn mir das widerführe, dann ließ ich mich lieber noch am Feuer braten, wie das einst dem heiligen Laurentius geschehen ist. Denn solch ein Fest werde ich nie weder erleben.“

Breydel merkte, daß seine Drohung der ganzen Wache Furcht und Betrübnis einjagte; dies war ihm nicht recht, da er selbst freudig gestimmt war. Um ihnen ihre Heiterkeit wiederzugeben, ergriff er den Krug, füllte die Kannen und sprach: