„Ach, verzeiht mir, lieber Wilhelm,“ bat sie, „ich habe Euch sehr lieb; aber Ihr müßt mich auch nicht mehr mit dem schrecklichen Worte ‚Sterben‘ kränken; das klingt noch lange in meinen Ohren nach! Seid mir, bitte, nicht mehr böse!“

Noch ehe Wilhelm ihr antworten konnte, lief sie zu ihrem Falken zurück und begann ihren Zeitvertreib von neuem, während die Tränen noch über ihre Wangen liefen.

„Mein Sohn,“ sagte Gwijde, „tragt der Jungfrau die Worte nicht nach. Du weißt, daß sie nicht böse gemeint waren!“

„Ich vergebe ihr von ganzem Herzen; denn ich liebe sie wie eine Schwester. Der Schmerz, den sie um Philippas vermeintlichen Tod empfand, hat mir sehr wohlgetan.“

Mit diesen Worten öffnete Wilhelm wieder sein Buch und las jetzt mit lauter Stimme:

„Jesus Christus, Seligmacher, erbarm' Dich meiner Schwester. Um Deiner bitteren Leiden willen erlöse sie, o Herr!“

Bei dem Namen des Herren entblößte der alte Gwijde sein Haupt, faltete die Hände und betete mit Wilhelm zusammen. Machteld ließ ihren Falken auf dem Stuhl stehen, kniete in der einen Ecke des Zimmers nieder, in der ein Kissen vor einem großen Kruzifix lag.

Wilhelm fuhr fort:

„Sancta Maria, Mutter Gottes, ich bitte Dich, hör' mich an, tröste sie in dem dunklen Kerker, o heilige Magd.“