„Ist denn alles Geld bereits dahin, das dem dritten Stande auferlegt wurde?“ fragte der König mißgestimmt.
„Sire,“ antwortete Enguerrand, „die Gelder, welche die Zollpächter von Paris Eurer Majestät geliehen hatten, habe ich Etienne Barbette zurückerstattet. Im Reichsschatz blieb nichts oder doch nur sehr wenig.“
Die Königin merkte voll Freude, wie sehr diese Nachricht den König erschütterte. Ihr dünkte, nun würde das Urteil über Gwijde unschwer zu erlangen sein. Listig trat sie zu ihrem Gemahl und sprach:
„Ihr sehet wohl, Sire, wie vorteilhaft mein Rat für Euch ist. Wie könnt Ihr Frankreichs Heil aus den Augen lassen, um Aufrührer zu begünstigen? Sie haben Euch und mich verhöhnt, unsern Feinden geholfen und es gewagt, unsern Befehlen zu trotzen. Der Besitz des Goldes macht sie stolz und aufgeblasen. Nichts ist leichter, als sie dieses überflüssigen Geldes zu entledigen; sie sollten Eure königliche Hand küssen, die ihnen das Leben läßt, denn allesamt haben sie den Tod verdient.“
„Aber Herr von Marigny,“ fragte der König, „findet Ihr denn gar keine Möglichkeit, noch für einige Zeit die Ausgaben des Reiches aufzubringen? Denn ich glaube nicht, daß die Gelder aus Flandern so bald kommen werden. Dieser Zustand bringt mich in die größte Verlegenheit.“
„Keine, Sire, wir haben schon zu viel versucht.“ Johanna mischte sich ein:
„Wenn Ihr meinem Rate folgen und mit Gwijde verfahren wollt, wie ich's begehre, so werde ich eine außerordentliche Steuer in meinem Königreiche Navarra erheben, und für lange Zeit werden wir dann dieser lästigen Sorgen enthoben sein.“
Mochte nun Schwäche oder Geldgier den König bestimmen, jedenfalls gab er Johannas Drängen nach, und so ward ihr der alte Gwijde ausgeliefert. Das arglistige Weib beschloß, den Grafen von Flandern den Fußfall tun zu lassen; doch in sein Vaterland sollte er nicht mehr zurückkehren.