Châtillon lauschte aufmerksam dem Rat der Königin und wunderte sich innerlich über ihre schlaue Politik. Da ihn schon eigene Rachsucht zu schlimmer Zwingherrschaft trieb, so freute er sich sehr, gleichermaßen seiner Leidenschaft und den Wünschen seiner Nichte entsprechen zu können.
Er antwortete mit sichtlicher Freude:
„Dankbar empfange ich die Ehre, die mir Eure Majestät erzeigt, und ich werde nichts versäumen, um als treuer Diener den Rat meiner Fürstin zu befolgen. Habt Ihr mir sonst noch Befehle zu geben?“
Diese Frage bezog sich auf die junge Machteld. Châtillon wußte wohl, daß diese Jungfrau den Zorn der Königin erregt hatte, und konnte sich deshalb wohl denken, daß sie es sühnen mußte. Johanna entgegnete:
„Es scheint ratsam, die Tochter des Herrn van Bethune nach Frankreich zu überführen, denn auch sie hat sich die vlaemische Starrköpfigkeit zu eigen gemacht. Es wäre mir lieb, sie am Hofe zu haben. Doch genug davon – Ihr versteht meine Absichten. Morgen verlasse ich dies verwünschte Land, denn ich habe schon zu lange den Hohn ertragen. Raoul von Nesle folgt uns, Ihr bleibt als Statthalter in Flandern mit der Vollmacht, das Land nach Eurem Willen zu regieren.“
„Oder vielmehr gemäß dem Willen meiner königlichen Nichte,“ fiel von Châtillon ihr schmeichelnd ins Wort.
„Ganz recht,“ fuhr Johanna fort, „Eure Bereitwilligkeit freut mich. Zwölfhundert Reiter sollen Euch zur Seite bleiben und Euren Befehlen Nachdruck verschaffen. Nun möge Euer Edlen mich die nötige Ruhe genießen lassen. Ich wünsche Euch gute Nacht, mein trefflicher Oheim!“
„Ein guter Engel bewahre Eure Majestät,“ sprach Châtillon, indem er sich verneigte und das Gemach der argen Frau verließ.