KROLL (sieht sie fest an). Vielleicht geh ich lieber.

REBEKKA. Nein, Sie sollen bleiben, lieber Rektor. (Zu ROSMER.) Ja, siehst du, das also war es: ich wollte Anteil haben an der neuen Zeit, die anbrach. Anteil haben an all den neuen Gedanken... Rektor Kroll erzählte mir eines Tages, Ulrich Brendel hätte eine große Macht über dich gehabt, als du noch ein Knabe warst. Mir schien, es müsse doch möglich sein, diese Macht an mich zu bringen.

ROSMER. Du kamst mit einer geheimen Absicht hierher –!

REBEKKA. Gemeinsam mit dir wollt ich vorwärts, der Freiheit entgegen gehn. Immer weiter, immer weiter bis an die Gränze.... Aber zwischen dir und der vollen Unabhängigkeit erhob sich ja diese finstere unübersteigliche Mauer.

ROSMER. Welche Mauer meinst du?

REBEKKA. Ich meine, Rosmer: nur im hellen frischen Sonnenschein konntest du die Freiheit erlangen, und da sah ich dich kranken und hinsiechen in der Finsternis einer solchen Ehe.

ROSMER. Bis zu dem heutigen Tage hast du in der Weise über meine Ehe noch nie mit mir gesprochen.

REBEKKA. Nein; ich wagt es nicht; ich hätte dich erschreckt.

KROLL (winkt ROSMER). Hörst du!

REBEKKA (fährt fort). Aber ich sah bald deutlich, wo dir Rettung werden konnte. Die einzige Rettung. Und da handelte ich.