ROSMER. Ja. Als ich mir über mich selbst klar geworden, – als ich die volle Gewißheit erlangt hatte, daß es keine bloß vorübergehende Anfechtung war, sondern etwas, wovon ich mich niemals mehr befreien konnte noch wollte, – da ging ich.
KROLL. So lange also hat es in dir gegärt. Und wir, – deine Freunde erfuhren nichts davon. Rosmer, Rosmer, – wie konntest du uns diese traurige Wahrheit verheimlichen!
ROSMER. Weil es, meiner Ansicht nach, eine Sache war, die nur mich selbst anging. Auch wollt ich dir und den andern Freunden keinen unnötigen Schmerz bereiten. Ich glaubte, ich könnte mein altes Leben hier weiter leben: still, heiter und glücklich. Ich wollte studieren und lesen, mich in all die Werke vertiefen, die mir bisher versiegelte Bücher gewesen. Wollte mich mit meinem ganzen Wesen hineinversenken in die große Welt der Wahrheit und Freiheit, die mir offenbart worden.
KROLL. Abtrünnig. Jedes Wort bezeugt es. Aber warum trotzdem dies Bekenntnis deines heimlichen Abfalls? Und warum grade jetzt?
ROSMER. Du selber, Kroll, hast mich dazu gezwungen.
KROLL. Ich? Ich hätte dich dazu gezwungen –!
ROSMER. Als ich von deinem heftigen Auftreten in den Versammlungen hörte, – als ich von all den lieblosen Reden erfuhr, die du dort hieltest, – von all deinen haßgeschwollnen Ausfällen gegen alle, die auf der andern Seite stehn, – von deinem höhnischen Verdammungsurteil über die Gegner –. O, Kroll, daß du, du so werden konntest! Da war mir meine Pflicht unabweisbar vorgeschrieben. Die Menschen werden schlecht in diesem Kampfe. Fried und Freud und Versöhnung müssen wieder in die Gemüter einkehren. Darum tret ich jetzt hervor und bekenne offen, wer und was ich bin. Und dann will auch ich meine Kräfte erproben. Könntest du, Kroll – deinerseits – dich uns nicht anschließen?
KROLL. Nie und nimmer paktiere ich mit den zerstörenden Mächten unsrer Gesellschaft.
ROSMER. So laß uns wenigstens mit ritterlichen Waffen kämpfen, – wenn denn unbedingt gekämpft werden muß.
KROLL. Wer in den entscheidenden Lebensfragen nicht mit mir ist, den kenn ich nicht. Dem schuld ich keine Rücksicht.