ROSMER. Sie wissen doch, daß meine Frau zu der Zeit geisteskrank war.
MORTENSGAARD. Ich weiß, daß viele das glaubten. Aber ich meine, dem Briefe konnte man so etwas nicht anmerken. Wenn ich den Brief seltsam nenne, so mein ich etwas andres damit.
ROSMER. Über was in aller Welt hat meine arme Frau Ihnen nur schreiben können?
MORTENSGAARD. Ich hab den Brief zu Hause. Sie beginnt ungefähr damit, daß sie in großer Furcht und Angst lebe. Denn hier in der Gegend gebe es so viele schlechte Menschen, schreibt sie. Und diese Menschen wären nur darauf bedacht, Ihnen Ärger und Schaden zu bereiten.
ROSMER. Mir?
MORTENSGAARD. Ja, so behauptet sie. Und dann kommt das seltsamste. Soll ich es sagen, Herr Pastor?
ROSMER. Ja, gewiß! Alles. Ohne jeden Rückhalt.
MORTENSGAARD. Ihre selige Gattin bittet und beschwört mich, großmütig zu sein. Sie wisse, sagt sie, daß es der Herr Pastor gewesen, der meine Absetzung durchgesetzt habe. Und dann bittet sie flehentlich, ich möchte mich nicht rächen.
ROSMER. Wie dachte sie es sich denn, daß Sie sich rächen könnten?
MORTENSGAARD. In dem Briefe heißt es: wenn mir Gerüchte über ein sündiges Treiben auf Rosmersholm zu Ohren kommen sollten, so möchte ich alledem nicht trauen; denn bloß schlechte Menschen sprengten solche Gerüchte aus, um Sie unglücklich zu machen.