»Es ist Zeit zu schweigen. Die Stunde kommt, wo wir anfangen müssen zu leben!«

Die Früchte wurden aufgetragen.

Aus den Gärten erhob sich Mandolinenspiel.

Vom Meer herauf kam ein Gesang, ähnlich wie das Lied der Matrosen auf dem Schiff, das in der Nacht nach Malta fuhr.

Als die letzten Gäste von den Nachbartischen aufgestanden waren, ließen wir die Lampen vor uns löschen: Ein Gewebe von lavendelblauem Atlas hing über dem Garten. Die Büsche atmeten im verwandelten Licht, jeder Strauch, jeder Wipfel war verdeutlicht und vergeistigt zugleich. Das Wesen der Dinge begann in der Tiefe der Formen zu leben. Aus den Glycinenblüten rieselte die Helle nieder. In jedem Tropfen Duft ein Tropfen Licht.

Wir gingen langsam bis zum Meer hinunter, entblößten Hauptes, so wie wir von der Tafel aufgestanden waren. Unwillkürlich lenkten sich unsere Schritte nach der Piccola Marina, der einsamen, verlassenen Bucht, in der die Stille Capris tief gesammelt ist. Wo die zwei wilden Lorbeerbüsche aus flachen, weichen Kieseln aufwachsen, setzten wir uns auf den Boden. Bis an die Füße spielte der raunende Schaum. In jeder flachen Welle zerrann das Mondlicht. Wir fingen die Flut in den hohlen Händen und ließen das Wasser an den Fingern niedertröpfeln. In jeder Perle glühte das Mondlicht. Auf der Höhe des Meeres aber war die silberne Harfe aufgestellt: In den Saiten sang das Mondlicht:

›Ich verwandle die Welt, ich erlöse die Welt.
Das Meer bleibt das Meer, und der Fels bleibt der Fels.
Aber ich töte was starr ist und wecke was schön ist.
Wollt ihr mich fangen, es wird nicht gelingen!
Wollt ihr mich sagen .. was ist mir das Wort?
Weiße Vögel tragen mich nieder vom Hause der Götter,
Von ihren Schwingen trieft meine Flut,
Sie nisten auf Wolken und schlafen auf Hügeln
Ihr hängender Flügel trocknet im Frühlicht.‹

*

Es war um Mitternacht, als wir nach Hause kamen. Wir blieben lange auf der Terrasse. Der Mond war hinter die Hügel getreten. Auf der Höhe des Meeres wallte sein ruhiges, grünes Licht und zog ihm nach, den Fuß der steilen Küste schon mit schmalen Bändern umsäumend. Hell glühte der Wein in der Schale.

Axel goß den ersten Tropfen in das Gewühl der Rosen, die am Geländer hingen. Funkelnd floß das Blut auf die Blüten und tropfte weiter zu dem warmen, durstigen Boden.