Ich liebe mehr als jeden anderen Aufenthalt der Welt – Hyde Park im Mai –, wenn in den tiefen Alleen, deren violetter Sand von goldenen Flecken schimmert, welche die Morgensonne durch das schwere Laubwerk wirft, endlose Reihen von Reitern und Reiterinnen auftauchen; wenn in der Frühlingssonne, nachmittags, Tausende von Gespannen dahineilend sich verfolgen und kreuzen, durch die breiten, offenen Alleen, eingesäumt von intensiv grünem Rasen, von zahllosen Blumenbeeten in den auserwähltesten, fremdländischsten, berauschendsten Farben. Wenn man diese Gespanne im einzelnen betrachtet, in ihrer Zusammenstellung von Pferden, Hunden, Lakaien und dem hoch oben thronenden gleichmütigen Lenker, von Bevorzugten, die eingeladen wurden, in diesen Viktorias, Daumonts, Breaks und Mails Platz zu nehmen, – so gewährt dies alles den Anblick denkbar höchster Vollendung.
Diese Augenblicke aus dem Hyde Park sind einzig schön, und dies Schauspiel vereinigt größere, vielseitigere Schönheit, als man sie irgendwo anders zu finden vermöchte. Und es ist eine kindische Illusion von zurückgezogenen, schlecht gelüfteten Gelehrten, daß die Vergangenheit ein schöneres, vollkommneres, edleres und zugleich feierlicheres Schauspiel zu bieten hatte; denn in keiner Epoche hat sich eine solche Summe von Vollkommenheit, von auserwähltesten Dingen zusammengefunden. Ich kann mich ebenso mit anderen bei dem Gedanken an die Eleusischen Festzüge begeistern, an die feierlichen Prozessionen, die die Stufen zu den Propyläen emporschritten; bei dem Gedanken an die Turniere und an die pompösen Ausfahrten der sagenhaften, venezianischen Galeeren.
ABER ES KANN WOHL NICHTS
DER ERGREIFENDEN HARMONIE,
DER MACHT DER ZUSAMMEN-
KLÄNGE UND DER EIGENART
DES RHYTHMUS DIESES
FESTES DER MODER-
NEN SCHÖNHEIT
NAHEGEKOM-
MEN SEIN!
Druck von Fr. Richter in Leipzig.
Im Insel-Verlag zu Leipzig erschien:
HENRY VAN DE VELDE: Vom neuen Stil. Mit einer Titelvignette vom Verfasser. In Halbpergament M. 5.–
»Diese Schrift ist, was Aufklärung über Wesen und Ziel der modernen kunstgewerblichen Bewegung anlangt, mustergültig, und es ist den Einsichten des trefflichen, auf langjährige Erfahrungen gestützten Künstlers die weiteste Verbreitung zu wünschen. Unnötig, mehr Worte zu machen; niemand, der in dem heutigen Kampfe um den Stil mit sich ins Klare kommen will, wird diese interessante Schrift ungelesen lassen.«
Die Zeit.
HENRY VAN DE VELDE: Essays. Mit Einbandzeichnung vom Verfasser. In Halbpergament M. 6.–