Eine Zeitlang fuhren sie schweigend dahin; die Eisen knirschten im Schnee, und unter den Hufen der Pferde stoben die Schollen wie Hagel.

Dann begann Wolodyjowski von neuem:

»Ist es nicht seltsam, daß du mich lieb hast?«

»Weit seltsamer,« erwiderte Christine, »daß Ihr mich so schnell lieb gewonnen habt.«

Da wurde Wolodyjowskis Antlitz ernst, und er begann zu sprechen:

»Christine, vielleicht erscheint es auch dir schlecht, daß ich kaum den Schmerz um die eine überwunden und schon eine andere liebe. Ich bekenne dir auch, als ob ich beichtete, daß ich einstmals leichtsinnig war. Aber jetzt ist es anders; ich habe jene Verstorbene nicht vergessen, und ich werde sie nicht vergessen. Ich liebe sie noch heute, und wenn du wüßtest, wieviel Leid ich um sie trage, du würdest selbst um mich leiden.«

Hier versagte dem kleinen Ritter die Stimme, denn er war sehr erschüttert und bemerkte vielleicht darum nicht, daß diese seine Worte auf Christine keinen zu großen Eindruck zu machen schienen.

Und wieder herrschte Schweigen. Dieses Mal unterbrach es Christine:

»Ich werde mich bemühen, Euch zu trösten, so gut ich kann.«

»Eben darum habe ich dich so schnell lieb gewonnen, weil du vom ersten Tage an begannst, meine Wunden zu verbinden. Was war ich dir? Nichts! Aber du gingst ans Werk, weil du im Herzen Mitleid mit dem Unglückseligen hattest. O, ich verdanke dir viel, sehr viel! Wer das nicht weiß, wird mich vielleicht tadeln, daß ich im November Mönch werden wollte und im Dezember zum Altar schreiten will. Sagloba wird der erste sein, der mich verspottet, denn er treibt gern seine Possen, wenn sich Gelegenheit bietet; aber mag er immerhin spotten, ich kehre mich nicht daran, besonders weil der Tadel nicht dich trifft, sondern mich ...« sagte der kleine Ritter.