»Gott, sei gnädig!« sagte Christine.
»Gott, sei gnädig!« wiederholte Ketling.
»Erbarme dich unser!« — »Erbarme dich unser!«
Und sie fuhren leise in ihrem Gebete fort; aber Ketling bemerkte, daß ihre ganze Gestalt vom Weinen erschüttert wurde. Sie konnte sich lange Zeit nicht beruhigen, und dann, als sie ruhig geworden, kniete sie noch lange unbeweglich. Endlich erhob sie sich und sagte:
»Gehen wir.«
Und sie traten wieder hinaus auf jenen langen Korridor. Ketling hoffte auf dem Wege eine Antwort zu erhalten und blickte ihr in die Augen, aber vergeblich. Sie ging eilig, als sehnte sie sich danach, so schnell wie möglich in das Zimmer zu gelangen, in welchem Sagloba auf sie wartete. Als sie nicht mehr weit von der Tür entfernt waren, ergriff der Ritter den Zipfel ihres Kleides.
»Fräulein Christine!« sagte er, »bei allem, was heilig ist!«
Da wandte sich Christine um, ergriff so schnell seine Hand, daß er nicht Zeit hatte, ihr Widerstand zu leisten, und drückte sie in einem Augenblick an den Mund.
»Ich liebe dich aus ganzer Seele, aber ich werde nicht die deine werden,« sagte sie.
Und ehe Ketling in seinem Erstaunen ein Wort zu sagen vermochte, fügte sie hinzu: