»Wie er vor dir kniete in der Kirche« — sagte wieder das Leid — »ein Wunder, daß dir das Herz nicht brach, als er dir in die Augen blickte und um Erbarmen bat. War es recht, mit einem Fremden Mitleid zu haben, um wieviel mehr mit ihm, dem Geliebten, dem Teuersten! Gott segne ihn, Gott gebe ihm Trost.«

»Wärest du nicht leichtsinnig gewesen, so könnte dieser Teuerste in Freuden einhergehen« — wiederholten die Gewissensbisse — »und du könntest in seine Arme sinken als die Erwählte, als die Gattin ...«

»Und ewig mit ihm sein« — fügte das Leid hinzu.

Und die Gewissensbisse: »Deine Schuld!« —

Und das Mitleid: »Weine, Christine!«

Und wieder sagten die Gewissensbisse: »Damit tilgst du die Schuld nicht.«

Und wieder sprach das Leid: »Tue, wie du willst, aber tröste ihn.« —

»Wolodyjowski wird ihn töten,« antworteten sogleich die Gewissensbisse.

Kalter Schweiß bedeckte Christine, und sie setzte sich in ihrem Bette auf; das helle Licht des Mondes fiel in das Zimmer, das bei dem blassen Scheine seltsam gespensterhaft aussah.

»Was ist das?« dachte Christine. »Dort schläft Bärbchen; ich sehe sie, denn der Mond scheint ihr ins Gesicht, und ich weiß nicht, wann sie gekommen ist, wann sie sich entkleidet und niedergelegt hat; ich habe doch keinen Augenblick geschlafen. O, ich sehe, mein armer Kopf ist zu nichts mehr gut.«