Christine kehrte erst gegen Mittag wieder und fand bei ihrer Heimkehr einen ausgezeichneten Gast; es war der Priester Olschowski, der Unterkanzler. Er war unerwartet zu Herrn Sagloba zu Besuch gekommen, weil er den Wunsch hegte, wie er selbst sagte, einen so großen Rittersmann kennen zu lernen, »dessen kriegerische Taten ein Muster, und dessen Verstand ein Vorbild für die gesamte Ritterschaft dieser hohen Republik sei.«

Sagloba war zwar höchlich erstaunt, aber nicht minder auch erfreut darüber, daß ihn eine so große Ehre in Gegenwart der Frauen treffe. Er blies sich also gewaltig auf, wurde rot, kam in Schweiß, und gleichzeitig bemühte er sich, der Frau Truchseß zu zeigen, daß er es gewohnt sei, solche Besuche von den größten Würdenträgern des Landes zu empfangen, und daß er sich nichts aus ihnen mache. Christine wurde dem Prälaten vorgestellt, küßte bescheiden seine Hände und setzte sich neben Bärbchen, froh darüber, daß niemand auf ihrem Gesicht die Spuren der vorangegangenen Erregungen lesen könne.

Inzwischen überhäufte der Unterkanzler Herrn Sagloba so reichlich mit Lobeserhebungen, daß es schien, als schüttle er immer neue Vorräte davon aus seinem violetten, spitzenbesetzten Ärmel.

»Glaubt nicht,« sagte er, »daß mich bloß die Neugier, den ersten Mann unter der Ritterschaft kennen zu lernen, hierhergeführt hat; denn wenn auch die Bewunderung die dem Helden gebührende Huldigung ist, so pflegen doch die Menschen, wo neben dem Mut die Erfahrung und der Scharfsinn ihren Sitz erwählt haben, auch zu ihrem eigenen Nutzen zu wallfahrten.«

»Die Erfahrung,« sagte Sagloba bescheiden, »besonders im Kriegshandwerk, mußte mit den Jahren selber kommen, und vielleicht fragte mich darum noch der selige Herr Koniezpolski, der Vater des Bannerträgers, bisweilen um Rat, dann auch Herr Nikolaus Potozki und Fürst Jeremias, und Herr Sapieha, und Herr Tscharniezki; was aber den Beinamen Ulysses betrifft, so habe ich ihn aus Bescheidenheit stets zurückgewiesen.«

»Und doch ist dieser mit Euch so verwachsen, daß die Menschen oft Euren wahren Namen gar nicht kennen. »Unser Ulysses« sagen sie, und sofort wissen alle, wen der Sprecher bezeichnen wollte. Und darum, bei den heutigen schweren und verkehrten Zeiten, wo mancher zögert und nicht weiß, wohin er sich wenden, auf welche Seite er treten soll, sagte ich mir, will ich hingehen, will seine Ansichten hören, will mich von Zweifeln befreien, will mich durch seine weisen Ratschläge erleuchten. Ihr erratet, daß ich von der bevorstehenden Wahl sprechen will, angesichts welcher jede Kandidatenzensur einen guten Zweck haben kann, um wieviel mehr erst eine solche, die Eurem Munde entströmt. Ich habe schon unter der Ritterschaft mit großem Beifall wiederholt sagen hören, daß Ihr jene Fremdlinge ungern sähet, die sich an unseren erhabenen Thron herandrängen. In den Adern der Wasas, so sollt Ihr gesagt haben, floß das Blut der Jagiellonen, darum haben wir sie nicht als Fremdlinge ansehen können; aber diese Fremdlinge — so sollt Ihr gesagt haben — kennen weder unsere alten Sitten, noch werden sie unsere alten Freiheiten zu achten verstehen, und daraus könne leicht ein absolutes Herrschertum erwachsen. — Ich erkenne an, daß diese Worte tief sind, aber verzeiht, wenn ich frage: Habt Ihr sie wirklich gesprochen, oder schreibt die öffentliche Meinung alle tiefen Sentenzen aus Gewohnheit in erster Reihe Euch zu?«

»Die Frauen sind meine Zeugen,« antwortete Sagloba, »und wenn auch der Gegenstand nicht gerade für sie geeignet ist, so mögen sie sprechen, wenn die Vorsehung in ihren unerforschlichen Ratschlüssen ihnen die Gaben der Rede gleich wie uns zuerkannt hat.«

Der Unterkanzler blickte unwillkürlich auf Frau Makowiezka hin und dann auf die beiden aneinandergeschmiegten Mädchen. Es trat eine Stille ein.

Plötzlich ertönte Bärbchens Silberstimme:

»Ich habe nichts gehört.«