»Nicht Wolodyjowski halber danken wir dir, aber man müßte ein eisernes, man müßte gar kein menschliches Herz haben, wenn man durch solche Opferwilligkeit nicht gerührt würde, die bei der Not des Freundes Mühsale nicht scheut und das eigene Alter vergißt. Andere denken in diesem Alter nur an ihr Plätzchen am warmen Ofen, und Ihr sprecht von einer weiten Reise gerade so, als wäret Ihr in meinen oder in Skrzetuskis Jahren.«
Sagloba machte zwar kein Geheimnis aus seinen Jahren, aber er hatte im allgemeinen nicht gern, daß man in seiner Gegenwart vom Alter als von einer Zeit der Kraftlosigkeit spreche; er blickte darum, obgleich seine Augen noch rot waren, streng, mit einer gewissen Unzufriedenheit auf Kmiziz und erwiderte:
»Mein lieber Herr, als ich in mein einundsiebzigstes trat, da war's mir wehmütig ums Herz, daß die beiden Äxte über meinem Haupte schwebten, als aber das achtzigste vorüberging, da faßte ich so frohen Mut, daß ich gar noch ans Heiraten dachte, und ich hätte gern gesehen, wer von uns am meisten ein Recht gehabt hätte, stolz zu sein.«
»Ich rühme mich nicht, aber ich hätte auch Euch gern gerühmt.«
»Und ich würde Euch sicherlich so blamieren, wie ich einst den Herrn Hetman Potozki in Gegenwart des Königs blamierte. Er machte Anspielungen auf mein Alter, und ich forderte ihn heraus, wer wohl mehr Purzelbäume hintereinander schießen könne. Nun, was geschah? Er schoß drei, und die Heiducken mußten ihn aufheben, denn er konnte nicht allein aufstehen, und ich sauste rings um ihn herum: waren's wenig, so waren's fünfundreißig Purzelbäume, die ich schlug. Fragt Skrzetuski, er hat's mit eigenen Augen gesehen.«
Skrzetuski wußte, daß Sagloba seit einiger Zeit die Gewohnheit hatte, sich in allem auf ihn als Augenzeugen zu berufen; er zwinkerte daher nicht einmal mit dem Auge, sondern begann wieder von Wolodyjowski. Sagloba versank in Schweigen und sann tief über etwas nach; endlich, nach dem Abendessen, kam er in bessere Laune und sprach zu den Genossen:
»Ich will euch etwas sagen, was nicht so leicht jeder mit seinem Verstande trifft. Ich habe zu Gott die Hoffnung, daß Michael leichter aus diesem Unglück hervorgehen wird, als es uns anfangs schien.«
»Gebe Gott, aber woher kommt Euch das in den Sinn?« sagte Kmiziz.
»Hm, da bedarf's des scharfen Witzes, der ein Erbteil der Natur ist, und großer Erfahrung, wie ihr sie in euren Jahren nicht haben könnt, und genauer Kenntnis von Michaels Wesen. Jeder Mensch hat eine andere Natur. Den einen trifft das Unglück gerade so wie der Stein das Wasser, um in Gleichnissen zu reden. Das Wasser fließt scheinbar glatt und ruhig weiter, während auf seinem Grunde der Stein liegt und seinen Lauf hemmt. Du, Johann, kannst zu diesen gezählt werden, denen es oftmals schlecht in der Welt geht, denn in ihnen lebt der Schmerz und die Erinnerung fort. Ein anderer wieder nimmt ein Unglück ähnlich auf, als ob du ihm mit der Faust eins in den Nacken versetztest. Es betäubte ihn im Augenblick, dann kommt er zu sich, und wenn die Beule geheilt ist, ist's auch vergessen. O, eine solche Natur ist die bessere in dieser unglücksreichen Welt!«
Die Ritter hörten aufmerksam den weisen Worten Saglobas zu, und er sah es gern, daß sie mit solcher Teilnahme aufhorchten, und sprach weiter: