»Christine, ich plärre los! Sag's doch gleich, daß du nur so in den Wind hineinsprichst, sonst plärr' ich, so wahr Gott lebt, ich plärre los!«
8. Kapitel.
Nach dieser Unterredung mit Sagloba war Ketling noch bei Frau Makowiezka. Er kündigte ihr an, daß er wichtiger Angelegenheiten wegen in der Stadt bleiben, vielleicht gar auch vor der großen Reise auf einige Wochen nach Kurland gehen müsse, daß er daher die Frau Truchseß nicht mehr persönlich in seinem Landhäuschen würde bewirten können. Er bat sie indes inständig, sie möchte das Häuschen wie bisher als ihre Residenz ansehen und mit ihrem Gatten und Herrn Michael während der Zeit der nahe bevorstehenden Wahl wohnen bleiben.
Frau Makowiezka war damit einverstanden, da im entgegengesetzten Falle das Häuschen leer gestanden und niemand Nutzen gebracht hätte. Ketling ging und ließ sich weder im Gasthaus noch späterhin in der Umgegend von Mokotow mehr sehen, denn Frau Makowiezka und die jungen Mädchen waren aufs Land zurückgekehrt. Aber nur Christine empfand seine Abwesenheit. Denn Sagloba war ganz und gar von der bevorstehenden Wahl in Anspruch genommen. Bärbchen und die Frau Truchseß nahmen sich den plötzlichen Entschluß Christinens so zu Herzen, daß sie an nichts anderes denken konnten.
Frau Makowiezka versuchte nicht einmal, Christine von diesem Schritte abzureden, und zweifelte auch, ob ihr Mann abreden würde, denn in jener Zeit hielt man einen Widerspruch gegen ein solches Vornehmen für eine Beleidigung und Kränkung Gottes. Nur Sagloba hätte bei aller seiner Frömmigkeit den Mut gehabt, Einspruch zu erheben, wenn ihm ein wenig daran gelegen hätte. Da ihm aber gar nichts daran lag, verhielt er sich still; ja, er war's sogar in der Seele zufrieden, daß die Dinge sich so schickten, und daß Christine zwischen Wolodyjowski und dem kleinen Heiducken sozusagen Raum schaffte. Nun war Sagloba überzeugt von der glücklichen Erfüllung aller seiner geheimsten Wünsche und gab sich gänzlich den Wahlarbeiten hin; er bereiste den Adel, der in die Hauptstadt gekommen war, oder brachte seine Zeit in Unterredungen mit dem Priester Olschowski zu, den er schließlich sehr lieb gewonnen und dessen vertrauter Genosse er geworden war.
Nach einer jeden solchen Unterredung kehrte er als ein eifriger Parteigänger des »Piasten« und als ein immer heftigerer Feind der Ausländer zurück. Der Weisung des Unterkanzlers gemäß verhielt er sich noch ganz still; aber es verging kein Tag, ohne daß er einen für diese noch geheim gehaltene Kandidatur gewonnen hätte — und es geschah, was gewöhnlich in solchen Fällen zu geschehen pflegt: er selbst begeisterte sich so sehr für die Sache, daß diese Kandidatur neben der Verbindung Bärbchens mit Wolodyjowski sein zweites Lebensziel wurde.
Unterdessen kam der Wahltag immer näher.