Bärbchen sprang strahlend in die Höhe und drückte Herrn Sagloba an sich. Er aber hob seinen Kopf in die Höhe und wiederholte: »Stärker, stärker!«
Michael erwog indessen noch alles eine Zeitlang; endlich sagte er:
»Es ist unmöglich, daß wir sogleich alle reisen. Dort ist ja die reine Wüste, kein Stückchen Dach finden wir über unserem Haupte. Ich will vorausgehen, will einen Ort zur Unterkunft suchen, ein artiges Blockhaus erbauen, Häuser für die Soldaten, Schuppen für die Pferde der Genossen, damit sie dort in der veränderten Luft nicht zugrunde gehen; dann will ich Brunnen graben, Wege bauen, die Höhlen von den Räuberbanden, so gut es geht, säubern. Dann schicke ich euch ein anständiges Gefolge, und ihr kommt nach. Drei Wochen wenigstens müßt ihr warten.«
Bärbchen wollte widersprechen, aber Sagloba sah die Richtigkeit von Michaels Worten ein und sagte:
»Was wahr ist, ist wahr. Bärbchen, wir bleiben hier und führen zusammen die Wirtschaft, wir werden uns dabei ganz wohl fühlen. Wir müssen auch einen kleinen Vorrat bereit halten, denn auch das wißt Ihr gewiß nicht, daß Met und Wein sich nirgend so gut erhält wie in den Höhlen.«
Michael hielt sein Wort. In drei Wochen war er mit den Gebäuden fertig und schickte eine stattliche Eskorte: hundert Lipker von der Fahne des Freiherrn von Landskron und hundert Linkhausensche Dragoner, welche Herr Snitko, der im Wappen einen verschleierten Mond führte, kommandierte. Die Lipker waren unter dem Befehl des Hauptmanns Asya Mellechowitsch, der seinen Stammbaum von den litauischen Tataren herleitete, eines sehr jungen Mannes, denn er zählte kaum einige zwanzig Jahre. Dieser brachte einen Brief vom kleinen Ritter mit, der seiner Gattin folgendes schrieb:
»Mein herzgeliebtes Bärbchen! Komm doch bald, denn ohne Dich lebe ich wie ohne Brot, und wenn ich nicht bis dahin eintrockne, so küsse ich Dir Dein rosiges Mäulchen ganz und gar weg. Ich schicke Dir nicht wenig Leute und erfahrene Offiziere, aber den ersten Platz räumt in allem dem Snitko ein, und nehmt ihn in Eure Gesellschaft; denn er ist von gutem Herkommen und ein Adelsgenoß; Mellechowitsch ist ein guter Soldat, aber Gott weiß, wo er herkommt; er hätte auch bei keiner anderen Fahne als bei den Lipkern Offizier werden können, denn es hätte ihm leicht jeder Unebenbürtigkeit vorwerfen können. — Ich umarme Dich herzlich, ich küsse Deine Händchen und Füßchen. — Ein Blockhaus habe ich aus Rundsteinen aufgeführt, — ganz vortrefflich — ungeheure Schornsteine — für uns einige Zimmer in einem besonderen Häuschen — überall riecht es nach Harz, und eine Menge Heimchen sind da, die, wenn sie abends zu zirpen anfangen, sogar alle Hunde aus dem Schlafe erwecken. Hätten wir etwas Erbsenstroh, wir könnten sie schnell los sein; aber nächstens kannst Du uns solches auf Deinem Wagen mitbringen. Scheiben von keiner Seite; die Fenster verhängen wir mit Moos; aber unter den Dragonern ist ein Glaser. Glas kannst Du in Kamieniez bei den Armeniern bekommen, aber fahre um Gottes willen behutsam, damit es nicht in Stücke gehe. Dein Zimmerchen habe ich mit Teppichen ausschlagen lassen, und es präsentiert sich vortrefflich. Von den Räubern, die wir in den Leschytzer Höhlen gefangen haben, habe ich schon neunzehn hängen lassen, und bevor Du herkommst, werde ich wohl das halbe Schock voll machen. Herr Snitko wird Dir erzählen, wie wir hier leben. — Gott und der heiligen Jungfrau empfehle ich Dich, mein Allerliebstes!«
Bärbchen las den Brief und gab ihn Herrn Sagloba, der sogleich Herrn Snitko mit großem Respekt entgegenkam, doch aber nicht mit so großem, daß jener nicht bald gemerkt hätte, er spreche mit einem berühmten Krieger und einer größeren Persönlichkeit, die nur aus Freundschaft ihn zu solcher Vertraulichkeit kommen lasse. Im übrigen war Herr Snitko ein guter Soldat, heiter, ein echter Kriegsmann, denn sein ganzes Leben war im Dienst hingegangen. Vor Michael hatte er hohe Achtung, und neben dem Ruhme Saglobas fühlte er sich klein und dachte gar nicht daran, sich zu brüsten.