»Und mit Recht! Er ist ein braver Mann und ein Realist, nur ein wenig gutmütig; für ihn gibt's nichts Höheres als die Eintracht. Er geht immer darauf aus, die Leute zu versöhnen, und das taugt nichts. Aber sag' mir aufrichtig, was ist dir Boguslaw Radziwill?«

»Seit der Zeit, wo mich die Tataren bei Warschau gefangen nahmen — nichts!« antwortete Ketling. »Ich habe den Dienst bei ihm aufgegeben und mich nicht wieder darum bemüht, denn wenn er auch ein einflußreicher Herr ist, so ist er doch schlecht und verkehrt. Ich habe ihn zur Genüge beobachtet, als er in Tauroggen der Tugend dieses überirdischen Wesens nachstellte.«

»Welches überirdischen Wesens? Mensch, was sprichst du? Sie ist aus Ton und kann, wie das erste beste Gefäß, in Scherben gehen. Doch genug davon!« Bei diesen Worten wurde Sagloba so rot vor Zorn, daß ihm die Augen hervortraten.

»Denk' dir, dieser Schurke ist Reichsbote!«

»Wer?« sagte Ketling, dessen Gedanken noch bei Olenka weilten, erstaunt.

»Boguslaw Radziwill. Aber die Wahlprüfungen, wozu sind die Wahlprüfungen? Hör', du bist Reichsbote, du kannst den Gegenstand anregen, ich will dir von der Galerie schon kräftig sekundieren, fürchte dich nicht. Das Gesetz ist auf unserer Seite, und wenn sie das Gesetz antasten wollen, so könnte man unter den Wahlzeugen einen kleinen unschuldigen Tumult anregen, damit es nicht so unblutig hingehe.«

»O, tut das nicht, bei Gott! Ich will den Gegenstand vorbringen, denn Ihr habt recht; aber Gott behüte uns vor einer Störung des Reichstags!«

»Ich will auch zum Chrapowizki gehen, obgleich der alles zu lau nimmt, denn von ihm, als dem künftigen Marschall, hängt vieles ab. Ich will die Paz' aufhetzen. Wir wollen wenigstens alle seine Schandtaten öffentlich in Erinnerung bringen. Habe ich doch unterwegs gehört, daß dieser Schuft daran denkt, sich um die Krone zu bewerben.«

»Dann müßte die Nation ihrem Ende nahe und nicht wert sein, zu existieren, wenn solche ihre Könige sein sollten,« erwiderte Ketling. — »Aber ruht jetzt, und nachher oder ein andermal wollen wir zum Herrn Kronmarschall gehen und nach unserem Freunde fragen.«