»Michael, du bist der größte Feldherr unter der Sonne!«
»Nicht doch, ich habe nur einige Übung,« antwortete er lächelnd. »Aber du plappere mir hier nicht vor lauter Freude und bedenke, daß ein folgsamer Soldat still sein muß.« Aber die Mahnung half nichts, Bärbchen war wie im Fieber. Sie hatte Lust, sofort das Pferd zu besteigen und den Hügel hinabzureiten, um sich mit Motowidlos Abteilung zu vereinigen. Aber Wolodyjowski hielt sie noch zurück, denn er wollte, daß sie den Beginn des Kampfes gut beobachte.
Inzwischen war die Morgensonne über der Steppe aufgestiegen und übergoß die ganze Ebene mit kühlem, blaßgoldenen Licht. Die nahen Flußinseln erstrahlten heiter, die ferneren zeigten deutlicher ihre Umrisse. Der Reif, der stellenweise in den Tälern lag, fing an schimmernd zu zerstieben, die Luft wurde sehr durchsichtig, und der Blick konnte fast grenzenlos in die Ferne schweifen.
»Des Kämmerers Fahne kommt aus dem Wäldchen hervor,« sagte Herr Michael, »ich sehe Menschen und Pferde.«
In der Tat kamen die Reiter allmählich aus der Waldbiegung hervor und hoben sich in langer Kette von der dicht mit Reif bedeckten Waldwiese ab. Der weiße Zwischenraum zwischen ihnen und dem Walde wurde immer größer, sie eilten offenbar nicht allzusehr, um den anderen Fahnen Zeit zu lassen; Herr Michael wandte sich jetzt nach links.
»Auch Mellechowitsch ist da,« sagte er. Und dann nach einer Weile: »Auch des Herrn Jägermeisters Leute kommen heran. Keiner von ihnen ist auch nur zwei Paternoster zu spät gekommen.« Und sein Schnauzbart bewegte sich lebhaft.
»Auch nicht einer darf entgehen! — Aufs Pferd!«
Sie wandten sich schnell zu den Dragonern um, sprangen in die Sattel und ritten die Anhöhe entlang unter dem am Fuße wachsenden Gestrüpp, wo sie sich mitten unter der Mannschaft Motowidlos befanden.
So näherten sie sich schon vollzählig der Schilfkette und machten Halt, um vorwärts zu spähen.
Der Feind mußte wohl die herankommende Fahne des Kämmerers bemerkt haben, denn in diesem Augenblick strömten aus dem Dickicht, das inmitten der Ebene wuchs, große Haufen Berittener hervor, als ob jemand eine Herde Rehe aufgescheucht habe; mit jedem Augenblick kamen ihrer mehr hervor. Sie bildeten eine Kette und ritten anfangs im Schritt den Saum des Dickichts entlang; die Reiter legten sich auf den Rumpf der Pferde, so daß man aus der Ferne glauben konnte, eine hirtenlose Herde von Pferden ziehe in langer Linie den Fluß entlang. Offenbar hatten sie noch nicht die Gewißheit, ob jene Fahne auf sie losrücke und sie schon bemerkt habe, oder ob es eine Abteilung sei, die nur die Umgebung durchsuche. In diesem letzteren Falle konnten sie hoffen, daß das Schilf sie noch vor den Augen der Herankommenden verbergen werde. Von der Stelle aus, wo Michael an der Spitze von Motowidlos Leuten stand, konnte man vorzüglich die unsicheren, schwankenden Bewegungen jener Schar sehen, die vollkommen den Bewegungen wilder Tiere glichen, die eine Gefahr wittern. Nachdem die Reiter die zu durchmessende Entfernung etwa bis zur Hälfte zurückgelegt hatten, beschleunigten sie ihren Ritt zu einem leichten Galopp; plötzlich, als die erste Reihe die offene Steppe erreicht hatte, hielten sie die Pferde an, und die ganze Schar machte Halt.