»Wenn wir ihn bekommen, überlaßt ihn mir.«
In dem Gesicht des Masuren malte sich eine so furchtbare, tierische Wut, daß Nowowiejski sich sogleich vor Michael verbeugte und bittend sagte:
»Gebt mir diesen Mann.«
Michael erhob keinen Widerspruch, und an demselben Abend, gegen Anbruch der Nacht, rückten hundert Berittene unter Nowowiejskis Führung ab.
Sie benutzten die bekannte Heerstraße über Mohylow und Jampol. In Mohylow stießen sie auf die alte Besatzung von Raschkow, von der sich zweihundert Mann auf Grund eines Befehls vom Hetman mit Nowowiejski verbanden; der Rest sollte unter Führung Bialoglowskis nach Mohylow gehen, wo Bogusch stand. Nowowiejski zog nach Raschkow hinab.
Die Umgegend von Raschkow war schon eine völlige Wüste; das Städtchen selbst hatte sich in einen Aschenhaufen verwandelt, den die Winde in alle vier Himmelsrichtungen trieben. Die wenigen Einwohner waren vor dem Schrecken des Unwetters geflohen. Es war zu Anfang Mai, und die Horde konnte jeden Tag in Sicht kommen, darum war es gefährlich am Orte zu bleiben. In Wirklichkeit standen die Horden mit den Türken noch in der Ebene von Kantschukar, aber davon wußte man nichts in den Schluchten von Raschkow, und deshalb brachte ein jeder Einwohner dieses Ortes, welcher der letzten Metzelei entgangen war, sein Haupt in Sicherheit, wo er sie finden konnte.
Luschnia überdachte den ganzen Weg die Mittel und Kniffe, deren nach seiner Meinung Nowowiejski sich bedienen mußte, wenn er mit Erfolg seine Überlistung ins Werk setzen wollte. Diese seine Gedanken teilte er gnädig den Gemeinen mit.
»Ihr Pferdeköpfe,« sagte er zu ihnen, »ihr versteht das freilich nicht, aber ich alter Bursch verstehe mich darauf. Wir kommen nach Raschkow; dort verbergen wir uns in den Schluchten und warten. Die Horde kommt an die Furt; erst werden sie einige Streifzüglerscharen übersetzen, wie das bei ihnen Brauch ist, und die ganze Schar steht und wartet, bis jene ihnen melden, daß keine Gefahr vorhanden. Dann schleichen wir hinter ihnen einher und jagen sie bis nach Kamieniez.«
»So werden wir den Schurken nicht bekommen können,« bemerkte einer von den Soldaten.
»Halts Maul!« versetzte Luschnia. »Wer soll sonst in der Vorhut gehen, wenn nicht die Lipker?«