Sie alle waren hocherfreut über Nowowiejskis Ankunft, obwohl sie gleich aus dem Gesichte lasen, daß er weder Evchen noch die anmutige Sophie aus der Gefangenschaft befreit habe. Bärbchen vergoß bittere Tränen über das Schicksal der beiden Mädchen, denn nun mußte sie diese schon für verloren halten; verkauft an einen Unbekannten, mochten sie schon vom Markte in Stambul nach Kleinasien fortgeschleppt sein, nach den Inseln, die unter türkischer Herrschaft standen, oder nach Ägypten, und dort im verschlossenen Harem leben. In diesem Falle aber konnte man sie nicht auslösen, ja, es war unmöglich, überhaupt etwas über sie zu erfahren, und Bärbchen weinte, es weinte der besonnene Sagloba, es weinte Muschalski, der unvergleichliche Schütze, — nur Nowowiejski hatte trockene Augen, denn er hatte keine Tränen mehr.

Als er zu erzählen begann, wie er hinausgezogen sei, zur Donau hin bis nach Tykitsch, wie er dort die Lipker in unmittelbarer Nähe der Horde und des Sultans auseinandergesprengt, wie er den furchtbaren Asya gefangen, da schlugen die alten Ritter an die Säbel und riefen:

»Bring' ihn her, hier in Chreptiow soll er sein Ende finden!«

Nowowiejski erwiderte: »Nicht in Chreptiow, in Raschkow hat er den Tod gefunden, denn dort kam es ihm zu; und Qualen hat ihm der Wachtmeister ersonnen, die wahrlich nicht leicht waren.«

Nun erzählte er, welchen Todes Asya, Tuhaj-Beys Sohn, gestorben war, und sie hörten voll Entsetzen, aber ohne Mitleid zu.

»Daß Gott die Verbrechen verfolgt, weiß jeder,« sagte Sagloba, »aber wunderbar ist es, daß der Teufel seine Diener so schlecht behütet.«

Bärbchen seufzte fromm auf, hob die Augen gen Himmel und sagte nach kurzer Überlegung:

»Weil ihm die Macht fehlt, der Kraft Gottes standzuhalten.«

»O, Ihr habt das Richtige getroffen, Herrin!« rief Muschalski, »denn wenn der Teufel, was Gott verhüte, stärker wäre als der liebe Herrgott, so würde alle Justiz, und mit ihr die Republik, in ein Nichts versinken.«

»Darum fürchte ich auch die Türken nicht; erstens sind sie Teufelskinder, und zweitens Kinder Belials,« versetzte Sagloba.