Auf dem gedachten Wege wären nun also namentlich Forschungsreisende, wissenschaftliche Lehrinstitute, Sammlungen, Schulen usw. bereits in den Besitz derjenigen Aufnahmen gekommen, um die es ihnen zu tun ist; es wäre ihre Privatsache, sich über die Eigentums- und gegenseitigen Entschädigungsverhältnisse auseinanderzusetzen, und die Art der Benutzung bliebe natürlich ganz ihre eigne Sache. In den meisten Fällen wird aber nun als wirtschaftlicher Neben- oder als Hauptzweck die Überführung der Aufnahmen oder eines Teiles von ihnen in den Turnus öffentlicher Aufführungen, besonders also der Kinotheater, erwünscht sein. Diese zu bewirken, bliebe die geschäftliche Aufgabe des „Verlegers“ durch Vermittlung der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft-Mittelstelle; durch deren Tätigkeit und die ganze Organisation würde aber das Ergebnis gleichmäßiger und sicherer erreicht und von vornherein — schon bei der Planung — in gewissem Grade schon mit verabredet und in Rechnung gezogen werden können. Von vorher sorgfältig geplanten und fachmännisch vorbereiteten Kinoaufnahmen etwa einer Expedition durch Tibet oder einer Landes-Naturdenkmäler-Aufnahme ließen sich von vornherein einige öffentliche Programme versuchsweise entwerfen, und deren Ertrag ließe sich, eben infolge der eigenartigen Organisation dieses Geschäftszweiges überhaupt, mit einer gewissen Sicherheit übersehen. Das würde also die vorherige Kostenberechnung solcher Unternehmungen erleichtern. — Bestimmte erdkundliche Theaterprogramme zu schaffen wäre dann aber eine zweite „Autoren“aufgabe, die wieder von verschiedenen Interessenten in Angriff genommen werden könnte. — Für die unter 5 a bis d genannten Zwecke würde der Ausschuß vorteilhaft mehrere ständige „Kammern“ bilden. — Die Tätigkeit der Mitglieder des Ausschusses würde in ehrenamtliche und honorierte zerfallen. Daß jede im Zuge eines geschäftlich angelegten Unternehmens eintretende wirkliche Arbeit und Zeitopferung ihres Lohnes wert ist, ist ebenso selbstverständlich, wie daß eine unverpflichtete und verantwortungslose, rein sogenannt „gemeinnützige“ Tätigkeit auf die Dauer in Verfall gerät und stets zweifelhaften Wert besitzt. Außer Honoraren und Gehältern würden der Mittelstelle durch Einrichtung und Mieten für Geschäfts-, Aufbewahrungs-, Vorführungsräume usw. Kosten entstehen, endlich durch die gesamte Werbearbeit, besonders Zeitschrift und Filmführer. Mein Entwurf begnügt sich mit dem Hinweise, daß dem eine Menge natürlicher und die Industrie keineswegs ungebührlich belastender Einnahmequellen gegenüberstehen. — Zu 7: Keinem der an die Deutsche Erdkundliche Kinogenossenschaft Angeschlossenen kann die Verpflichtung auferlegt werden, nur von ihr begutachtete Aufnahmen herzustellen, zu vertreiben, vorzuführen oder anzusehen. Das Interesse, dies zu tun, kann nur in dem für alle Beteiligten daraus entspringenden tatsächlichen Nutzen bestehen. Anderseits würde natürlich durch Vermischung der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaftsfilme mit andern aus genügend gekennzeichneten Gründen der ganze Zweck und Erfolg des Unternehmens hinfällig. Es muß darauf bestanden werden, daß als Deutsche Erdkundliche Genossenschaftsfilme nur von ihr geprüfte und empfohlene Aufnahmen, aber auch nur in der von ihr angegebenen Weise, und in den Kinotheatern nur im Zusammenhange der von ihr empfohlenen Gesamtprogramme vorgeführt werden. Das letztere aus denselben technischen Gründen, weswegen auch sonst die Kinotheater nicht Einzelfilme, sondern nur ganze Programme leihen können, soweit sie nicht selber die Urheber der letztern sind. — Zu den „Interessenten“ der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft gehören also auch die Lichtbilderfirmen, die erdkundliche Lichtbilder zu verleihen oder zu verkaufen haben. Diese würden, soweit nötig, den Gesamtprogrammen beizufügen sein. — Den sozusagen ursächlich — also geschäftlich, wissenschaftlich oder volksbildnerisch interessierten Kreisen gegenüber wäre nun als wichtige von der Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft zu fördernde Aufgabe ein loser Zusammenschluß der „Schauinteressenten“, d. h. des erdkundlich interessierten Kinopublikums herbeizuführen. Die unter 11 genannte Maßnahme würde m. E. dazu genügen und alles Erreichbare umfassen.


Ich hoffe mit diesem wenigen den Grundgedanken einer Deutschen Erdkundlichen Kinogenossenschaft genügend veranschaulicht und seine Wichtigkeit verständlich gemacht zu haben. Sollte es mir damit gelungen sein, auf Grund jahrelanger Arbeit und umfassender, mit großen Opfern erkaufter Erfahrungen einen Grundstein zu fruchtbarer, schöpferischer, aufbauender Kinogesundungsarbeit gelegt und zugleich der erdkundlichen Wissenschaft und dem Schulunterricht der Zukunft neue Möglichkeiten klären geholfen zu haben, so wäre diese meine Arbeit reichlich belohnt.

Anhang
Ein Blick auf den gegenwärtigen Markt erdkundlicher Filme und Lichtbilder

Mit unermüdlichem Entgegenkommen hat die Lichtbilderei GmbH. in M.Gladbach alles Erdenkliche getan, um meinen Wunsch, einen praktischen Überblick über die zurzeit zugänglichen Quellen erdkundlichen kinematographischen Stoffes zu gewinnen, zu erfüllen. Dennoch würden die auf unsere Rundfragen ergangenen Antworten besonders betreffend der Filmerzeugung ohne die Benutzung anderweitig gewonnener Erfahrungen ein sehr lückenhaftes Bild geben. Der Gesamtüberblick bezeugt sowohl betreffend der Lichtbilder wie der Filme vor allem einen gewissen Mangel an Beweglichkeit in der Organisation, insofern erstens zumeist nur ganze Serien von Lichtbildern und Kinoaufnahmen verliehen (von letztern auch verkauft) werden, zweitens auch dies noch mannigfachen Beschränkungen und Schwierigkeiten unterliegt. Die Unmöglichkeit, die Sachen vorher zur Ansicht zu haben oder sonst prüfen zu können, liegt ja in der Natur der Sache. Sie ließe sich nur — wie im vorangehenden angedeutet — durch eine wohlorganisierte ständige Projektionsbildermesse nebst Zentralverleihstelle und in Verbindung mit einem nach wissenschaftlichen und gemeinnützigen praktischen Gesichtspunkten durchgearbeiteten illustrierten und beschreibenden Realkatalog beheben. Dazu müßte ein beweglicheres Leihaustauschsystem treten. Eine Hauptursache für die verhältnismäßig geringe Rolle, die das Projektionswesen als ernsthaftes Bildungsmittel noch spielt, liegt darin, daß die Bilder, die man nach den Titeln beschafft, selten gerade das zeigen, was man zeigen will. Ist dieser Übelstand auf dem Lichtbildergebiet schon empfindlich, so wirkt er gegen die Ausbreitung der Filmbenutzung geradezu entscheidend.

Da nach unserer Überzeugung das Kinobild, besonders das erdkundliche, fast stets vom stehenden unterstützt werden muß, so geben wir zunächst einen Überblick über die Quellen für erdkundliche Lichtbilder. Zunächst Firmen, die geschäftsmäßig an jedermann verkaufen und verleihen, soweit uns näheres Material vorliegt (alphabetisch):

1. Evangelischer Verein für kirchliche Zwecke, Berlin SW 68, Oranienstr. 105l. Hat besonders aus Missionsgebieten (Kolonien und innere Mission) auch einige geographisch interessierende Serien. Alle Bilder sind koloriert (5 M). Mitwirkung von Kunstmalern, Missionsleuten, Pastoren. Es werden nur Serien verliehen, Texte werden beigegeben. Verleiht auch Apparate.

2. Graystone Bird, Kunstphotograph, 3, Milsom Street, Bath, England. Pflegt besonders das Gebiet von Landschafts- (See-, Wolken-, Winterlandschaften usw.) Diapositiven nach künstlerischen Gesichtspunkten. Wetter, Stimmungen usw., ferner britische und Schweizer intime Aufnahmen.

3. Bruno Hentschel, Leipzig, Kunstverlag (Kollektion Hentschel): Landschaften-, Trachten- und Städtebilder aus dem Orient (Ägypten, Palästina, Syrien, Kleinasien, Konstantinopel, Griechenland). Bilder auch einzeln (15 Pf.), jedoch Mindestgebühr 7.50 M. Versendet zur Ansicht Papierkopien sowie ganze Serien.