[Fig. 101.]

Seide (S) und Wolle (W),
bei 30facher Vergrösserung.

Die Seide besteht aus glänzenden dichten, walzenförmigen, structurlosen, nicht hohlen Doppelfäden mit gleichförmiger Lichtbrechung. Der Querschnitt eines Kokonfadens ist von stumpfeckigem Umrisse. Gefärbte Seide erscheint mitunter an einzelnen Stellen breitgedrückt oder mit kleinen Unebenheiten. Der Mangel einer Innenhöhle unterscheidet sie von allen übrigen Gespinnstfasern. Zuckerlösung mit Schwefelsäure färben den sich rasch auflösenden Seidenfaden schneller als die Wolle rosenroth, und die hierbei quellende äussere Schicht zeigt eine bogig gezackte Contour. Bei noch nicht ganz erfolgter Auflösung bemerkt man innen einen noch festen Längsfaden, der nicht mit einer Innenhöhle zu verwechseln und nur noch unveränderte Seidensubstanz ist. Die sogenannte Jama-may-Seide (vom chines. Eichenspinner) zeigt eine starke Längsstreifung und eine porige Querschnittfläche.

Das Wollenhaar ist wie alle Haare der Säugethiere (man vergleiche auch weiter unten unter Haar) ein cylindrisches röhrenförmiges, von einem Markstrange der Länge nach durchzogenes Gebilde, bekleidet mit ziegelartig sich deckenden Schüppchen, welche sich bei geringer Vergrösserung durch dicht und unregelmässig neben einander liegende Linien oder Risse kennzeichnen. Zuckerlösung und Schwefelsäure färben das Wollenhaar rosenroth, nie wird es durch Jodlösung nebst Schwefelsäure blau gefärbt. Das Wollenhaar ist von verschiedener Dicke. Die Electoralwolle z. B. 1/41/3 so dick als grobe Schafwolle.

Alpakawolle kommt von einer Lamaart Amerika’s, dem Paco oder Alpaca (Auchenia Paco). Die rohe Wolle ist entweder weiss oder schwarz, es kommt aber auch schwarzgefärbte Wolle vor. Die Structur ist der der Schafwolle ähnlich, im Markstrange jedoch finden sich einzelne dunkelgefärbte Conglomerate, wie dies in der folgenden Figur angegeben ist.

[Fig. 102.]

Alpakawolle.
a und b 100mal vergr., c 200mal vergr., a und c weisse, b schwarze.

[Fig. 103.]