Soorpilz, Aphthenpilz, Oidium albicans, ist ein als Parasit häufig vorkommender Fadenpilz, welcher die bei kleinen Kindern vorkommenden sogenannten „Schwämmchen“ bildet. Er besteht aus Sporen und Myceliumfäden, die zwischen und unter dem Epithel der Schleimhaut wuchern und dasselbe zur Abstossung bringen. Er giebt der Schleimhaut das Ansehen, als wäre sie mit Käseflocken bedeckt. Verwechselt kann dieses Gebilde nicht werden mit Leptothrix buccalis Robin, einer parasitischen Alge, welche sich auf jeder Zunge, zwischen allen Zähnen findet und aus weit feineren stabförmigen, wenig oder nicht gebogenen und wenig verästelten Fäden besteht. Diese Alge gehört zu den Oscillariaceen, einer Familie, welche fadenförmig und mit einer eigenen Bewegung begabt ist, von welcher jedoch die Leptothricheen selten eine und dann nur langsam oscillirende Bewegung zeigen. Dagegen haben die Species der Oscillarieen und Spirillineen, zwei andere Unterfamilien der Oscillariaceen, eine sehr lebendige (oscillirende, kriechende oder spiralige) Bewegung, so dass man sie früher für Thiere hielt. Sie scheinen jedoch nur den Uebergang zu diesen zu bilden. Zu den Spirillineen gehören die Vibrionen, welche in cylindrischer und fadiger Form, frei oder in ihren natürlichen Schleim gehüllt, unter dem Mikroskop eine sehr lebhafte Bewegung zeigen. Sie findet man besonders da, wo eine Milchsäure- oder eine Buttersäuregährung stattfindet, in dem Schleim an den Zähnen, zwischen den Zehen der Füsse, zuweilen im Harn. Spirillum volutans ist schlangenförmig und spiralig gewunden und gegliedert.
| Fig. 174. | Fig. 175. | |
| Soorpilz. Oidium albicans. Vergr. | Leptothrix buccalis. Zungenbelegpilz. Vergr. |
| Fig. 176. | Fig. 177. | |
| Vibrio lineola (links), obere 50mal, untere
300mal vergr. Vibrio bacillus (rechts), 750mal vergr. | Spirillum volutans, 750mal vergr. |
a Beggiatoa alba, b Beggiatoa nivea. Vergr.
| Fig. 179. | Fig. 180. | |
| Oscillaria viridis. a ein Glied von vorne gesehen. Vergr. | Chamaesiphon incrustans. a 200fach vergr. b 1200fach vergr. |
Von den Oscillarieen bewohnt die Gattung Beggiatoa viele Thermen und natürliche Schwefelwässer. Sie hat eine oscillirende Bewegung, ist haarförmig, sehr dünn, sehr durchsichtig und starr. Beggiatoa alba ist in einen weissen Schleim gehüllt und bildet lange Fadenfortsätze mit granulirtem Cytioplasma. B. nivea ist durchsichtig und zeigt eine dunkle Gliederung. Die Gattung Oscillaria ist mit einer dreifachen Bewegung begabt, gegliedert, entweder von Mutterschleim umhüllt oder eingeschlossen von einer engen röhrenförmigen, an beiden Enden offenen Scheide. Die Glieder sind von vorne gesehen scheibenförmig und mit punktförmigen peripherisch ständigen Knötchen versehen. Eine parasitische Oscillariee ist Chamaesiphon incrustans, eine sehr kleine circa 0,01 mm lange, dicht zusammengedrängt stehende Alge mit undeutlichen Gliedern, aber deutlichen Endgliedern und sehr zarten Scheiden. Sie bewohnt andere Algen, diese incrustirend.
Interessante Algen sind die Spermosireen durch ihren rosenkranzähnlichen Bau. Die Gattung Anabaena hat kugelige oder elliptische Glieder und goldgelbe oder braungelbe Sporen. Anabaena circinalis findet man in stehenden Wässern.
| Fig. 181. | Fig. 182. | |
| Anabaena circinalis. Vergr. | a Microcystis violacea, b Anacystis marginata. Vergr. |