Unwillkürlich stieß die alte Dame heraus:
„Nun? War's nicht gut, daß wir's so machten? Haben wir nicht alles erreicht? Bist du nicht glücklich?“
Und Ileisa nickte und zwang sich, an etwas zu glauben, was ihr Inneres bestritt, schwatzte aufgeräumt und verließ ihre Tante erst nach geraumer Zeit.
Aber an dem Abend desselben Tages nach dem Zusammensein mit ihrem Verlobten, lagen Schatten auf ihrer Stirn, es wühlte und nagte etwas in ihrem Innern, dessen sie nicht Herr werden konnte.
Bevor sie an diesem Abend zur Ruhe ging, warf sie sich Margarete an den
Hals und weinte und schluchzte bitterlich.
„Was ist, meine einzige Ileisa!“ flüsterte die warmherzige Freundin.
„Ach, Grete! Glaubst du, daß ich deinen Bruder glücklich machen werde?“ sprach sie nach deren wiederholter Aufforderung, ihr ihr Herz auszuschütten, mit verzagender Stimme.
„Seltsam! Je näher der Augenblick kommt, desto mehr ängstige ich mich! Wenn wir nur zu einander passen, Grete. — Natürlich, nur dir sage ich das — und nur zufolge meiner Gewissenhaftigkeit in allen ernsten Dingen. Glaube nicht, daß ich irre geworden bin. Jeder hat ja seine Art. Arthur wird auch manches an mir lieber anders sehen —
„Es ist körperlich — gewiß nur körperlich! Ich erleichtere mich schon durch Aussprechen —“
So belog sie sich selbst, zog in demselben Augenblick zurück, was sie eben betont hatte, und setzte voraus, daß Grete alles so hinnähme, wie es ihr in ihrer wechselnden, durch ihre seelische Bedrückung hervorgerufenen Stimmung wünschenswert war.