Klamm schloß seine Rede mit einem Seufzer. Dann neigte er sich zu seiner
Mutter und küßte sie auf die Wange und verließ das Zimmer.

* * * * *

Der Winter hatte sich in diesem Jahre sehr früh verzogen. Der Frühling war jählings ins Land gestürmt und hatte seine unwiderstehliche Herrschaft angetreten. Plötzlich war's von den Dächern getropft. Der Schnee war rasch und behende zerschmolzen; die Eiszapfen waren ihm mit eilfertiger Auflösungshast gefolgt, und zu allem hatten vergnügt geschwätzige Staare die Musik gemacht. An Bäumen und Gesträuchen waren in einer einzigen Nacht die jungen Triebe erschienen, und ehe sich's die Welt versehen, hatte die Natur ein farbiges Kleid angelegt. Und dem Frühling war ein blütenschwerer Sommer gefolgt. Schon war die Zeit bis Ende September wiederum vorgerückt, und seit Monaten befanden sich Klamms bereits auf dem von ihnen erworbenen, in der Nähe von Berlin belegenen Gut Grünhagen.

Aber es war noch etwas geschehen:

Ihre Nachbarn waren — Knoops geworden. Der Zufall hatte gespielt. Als
an den alten Herrn Knoop die Anforderung ergangen war, sich als
Eigentümer einer umfangreicheren Gutsherrschaft auszuweisen, war
Behrwalde — so hieß das Rittergut — grade zum Verkauf gestellt worden.

Der frühere Besitzer, ein Graf Klöker, war plötzlich gestorben, und die zurückgebliebene Familie hatte sobald wie möglich den Landaufenthalt gegen die Stadt zu vertauschen gewünscht. Da hatte Herr Knoop sogleich zugegriffen, obgleich auch ihn die Nähe der Familie Klamm gehört.

Bei Klamms aber war erst recht ein Mißbehagen eingetreten.

Nachdem Alfred eben die Familie geschäftlich von sich abgeschüttelt hatte, saß sie nun neben ihm, gleichsam Stube an Stube.

Aber nicht nur die Alten, sondern auch die Jungen!

Wie es hieß, blieben Knoops nur für den Sommer und Herbst dort.