Nur eines störte sie jeden Tag. Das Verhältnis zu ihrem Bruder wurde immer schlechter. Immer mehr verflachte er, und mit der Annahme der Verflachung und der Arbeitsscheu verstärkten sich seine Empfindlichkeit und sein Mangel an Rücksichten gegen seine Umgebung.
War er früher rauh und rechthaberisch gewesen, so hatte er doch Sinn für Arbeit, Erfolg besessen und Respekt vor seiner Person in allen Kreisen erstrebt.
Jetzt sprach er nur von den gesellschaftlichen Errungenschaften, die ihm, als Mitglied des Adels, immer mehr zufielen. Als ihn ein bisher sehr unnahbares Mitglied des Unionklubs, in dem er aufgenommen war, zu einem Frühstück eingeladen, war ihm diese Auszeichnung dermaßen zu Kopf gestiegen, daß er im Hause mit seiner ganzen gefühllosen Unausstehlichkeit austrat.
„Du thust wirklich, als ob dich die Beachtung, die dir Graf von der Horwitz erwiesen, zu einem Mitglied der Ritter vom schwarzen Adlerorden gemacht habe, Arthur,“ hatte seine Schwester mit verächtlichem Spott hingeworfen. „Wie ist es möglich, daß ein Mensch mit freiem Sinn und Selbstachtung auf solche Nichtigkeiten Wert legen kann! Wo ist die Zeit, in der du noch deinen Ruhm in kräftiger Thätigkeit und deine Erfolge in dem sahst, was unser Vater sein Lebelang unermüdlich schaffte und förderte. Ich sage dasselbe, was ich dir schon früher vorhielt:
„Du läßt dich — ein junger Mann — von ihm ernähren, spielst den großen Herrn, vergeudest dein Geld in Ueberflüssigkeiten, vielleicht gar im Spiel, vernachlässigst deine Frau, deine Eltern und was das Schlimmste ist, machst dich wegen deines eitlen Auftretens zum Gespött bei allen unbefangenen und ernsthaften Men —“
Aber weiter war Margarete nicht gelangt.
Der von ihr so Angegriffene hatte sich wie ein Tobsüchtiger benommen. Die Reitpeitsche, die er zufällig in der Hand gehabt, hatte er gegen seine Schwester erhoben und sie mit wutentstellten Mienen angeschrieen:
„Schweig, unverschämte, dumme Gans, die du immer nur nach deinen jämmerlich hausbackenen Auffassungen Thun und Treiben anderer beurteilst. Was weißt du, welche Zwecke ich verfolge, welchen Plänen ich nachgehe! Und es sei dir zum letztenmal gesagt: deine Unverschämtheiten verbitte ich mir! Wenn du noch einmal so auftrittst — untersage ich dir, unser Haus zu betreten.“
„Vaters Haus meinst du doch wohl! ‚Dein Haus‘ giebt es nicht! Du hast seit deiner Rückkehr von England nur im ersten Jahre gearbeitet und etwas selbst verdient.
„Jetzt bist du ein Tagedieb und verminderst dein Ansehen von Tag zu Tag vor deiner Frau,“ war Margarete unerschrocken fortgefahren.