„Alle Vorstellungen über Glück sind ausnahmslos unzutreffend. Nur die
Erfahrungen können uns über dessen Einzelwesen belehren.

„Einer denkt, er werde mit dem Haupt in den Himmel hineinragen, wenn er
seiner Nahrungssorgen entrückt werde, und wird ihm in Fülle, was er vom
Schöpfer erflehte, schreit er nach dem Wechsel zwischen Entbehrung und
Genuß!

„Zum Glück gehören möglichste Unabhängigkeit von anderen, und die
Sättigungen, die unsere ‚Herzen‘ und Gemüter bedürfen.

„Ich bin eine Sklavin geworden, die ich dachte, ich würde alle Fesseln abstreifen. Und mich hungert förmlich nach Liebe!

„Wären nicht zwei Menschen: meine edle Tante und Margarete, würde ich vielleicht schon ins Wasser gesprungen sein.

„Es fließt so lockend jenseits der Wiese vorüber. So tief ist der Au, so rein ist sein Wasser. Da ruht's sich sicher gut. Ich bin so todestraurig, so verzagt, so grenzenlos unbefriedigt. Wer hilft mir — ?“

Als eben Margarete noch weiter lesen wollte, vernahm sie nebenan Geräusch von Schritten, scheuchte infolgedessen hastig empor, warf sich eilig in einen Sessel, der in einem nach dem Garten schauenden Erkerausbau stand, und griff nach einem, auf einem kleinen Tisch liegenden Buch.

Im nächsten Moment stand Ileisa vor ihr. Aber ein Schreck ergriff
Margarete, als sie Ileisa anblickte.

Diese aber eilte auf Margarete zu, fiel vor ihr nieder, und stieß erschüttert heraus:

„Ach, liebe, liebe Margarete, was habe ich eben erlebt —“