„Sonst habe ich noch kurz nachstehendes zu entgegnen:

„Nachdem wir nobilitiert worden, sind uns gewisse Pflichten erwachsen. Das liegt einmal bei richtiger Würdigung der Dinge vor, und sie decken und deckten sich ja auch mit meinen bisherigen Neigungen. Ich möchte diesen nicht entsagen — ich möchte eben der bleiben, der ich einmal bin. Ich habe keine Anlage zum Schürzengatten, der den ganzen Tag um seine Frau herumschwärmt, finde auch keinen Geschmack an Familiensimpeleien, sondern brauche Menschen, Luft, Abwechslungen und Anregungen von draußen.

„Da ich das Geld hatte, war ich berechtigt, so zu leben, wie es geschah. Ich habe ja keine Schulden gemacht. Und endlich: ich habe mich nicht geschaffen, wie ich bin; das ist des Schöpfers Laune und Bestimmung gewesen. Unehrenhafter Handlungen bin ich mir nicht bewußt, meine also, eine solche Entschließung, wie sie mir von dir heute wegen eines bloßen Wortstreits geworden, nicht verdient zu haben.

„Aber es ist ganz gut so. Ich wiederhole, daß ich mich füge. Und weiter habe ich denn auch nichts zu sagen, Vater. Grüße Mutter! Ich siedle schon heute nach Berlin über. Wegen Ileisas erhalte ich wohl noch Nachricht! Guten Morgen!“

Während Arthur, von seinem Vater nicht gehemmt, den Weg über den Gutshof nach der Nebenvilla zurücklegte, hielt er folgendes Selbstgespräch:

„Für die nächsten drei Monate habe ich hinreichend Geld, und für weitere drei Monate habe ich unter allen Umständen den erforderlichen Kredit. In dieser Zeit werde ich etwas finden. Ich will mich gleich ernstlich umsehen. Daß alles so gekommen, ist vielleicht nachteilig für mich, vielleicht auch nicht. Mein Vater hat ja nicht unrecht, aber er hat darin unrecht, daß er gleich das Kind mit dem Bade ausschüttet, daß er so vorgeht! Aber das ist seine Art. Er hat es mit Herrn von Klamm ja auch so gemacht.

„Wenn ich mir selbst eine Selbständigkeit und ein Vermögen erwerbe — so werde ich das wertvolle Gefühl besitzen, nicht der von seinem reichen Vater gnädigst dotierte Sohn zu sein. Es ist nicht das Rechte. Ich habe es schon lange empfunden! Bei allem, was ich that, und was sie drüben natürlich stets überflüssig fanden, sah ich den Vorwurf in ihren Augen. Ein unerträglicher Zustand, ein ganz unerträglicher!

„Und meine Frau — Ileisa? —

„Wir passen nicht zusammen. Sie ist aus der sittsamen ‚Margaretenschule‘, sie ist die Mutter Vernunft, die an der Krankheit schweigender Langeweile und tugendsamer Fügsamkeit leidet.

„Ich brauche ein störriges Pferd, einen lebhaften Araber — eine, die mit mir geht durch Dick und Dünn. — Ich brauche ein elegantes, geistvolles Weib, das gesellschaftlich eine Rolle spielen kann und will. So eine, wie die Frau von Klamm — das wäre eine für mich gewesen.