Es beherrsche sie seit Tagen ein Gefühl von Sorge und Angst, dessen sie nicht Herr werden könne. Vielleicht sei's nur körperlich, aber nicht minder unerträglich. Sie möge sie beruhigen und sobald wie möglich kommen.

Ileisa ließ das Schreiben aus der Hand fallen und starrte — tief schwermütig, wie in all diesen Tagen — vor sich hin.

Ihre Tante hatte eine nur zu starke Berechtigung, sich Sorgen hinzugeben.

Ileisa graute vor dem Augenblick, in dem sie ihr alles offenbaren sollte. Sie schwankte sogar, ob es überhaupt nicht besser sei, sie erst schriftlich vorzubereiten. Aber sie verwarf doch diesen Gedanken wieder. Sie würde dadurch die Unruhe, die die von ihr über alles geliebte Verwandte beherrschte, sicher noch vermehren.

So machte sie sich denn sogleich auf den Weg. —

Der Hund kläffte wie immer, und die Thür wurde nur spaltenweise geöffnet, wie stets, nachdem Ileisa die Klingel in der Wohnung ihrer Tante gezogen hatte.

Und wie allezeit schritt die alte Dame unter glücklichen Worten voran, und nötigte ihr Herzenskind, sich niederzulassen, nachdem sie ihr selbst behülflich gewesen, sich von ihrem Mantel zu befreien.

„Gott sei Dank, daß du da bist! Wie ich mich gesehnt und gesorgt habe, kannst du dir nicht denken —“

So begann sie, und eine Fülle von warmherzigen Aeußerungen folgte, bis
Ileisa endlich auch zum Sprechen gelangte.

Sie erklärte — die notwendige Vorsicht übend — vorerst nur, daß keine Einigkeit zwischen Knoops, Vater und Sohn, sei, daß ihr Mann stets aushäusiger, gleichgiltiger und kälter gegen sie werde, und daß sie schmerzensreiche Tage hinter sich habe. —