Zunächst suchte er Ileisa auf, und teilte ihr mit, daß er ihr monatlich die Hälfte von dem auskehren wolle, was er ihrem Manne bisher zugewendet habe. Außerdem händigte er ihr die rückständige Rente für ihre Tante ein und ersuchte sie, mit ihrer Verwandten zu sprechen, ob sie nicht mit ihr nach Hamburg übersiedeln wolle. Sie selbst wollten Behrwalde verkaufen, in der Nähe der genannten Stadt auf's Land ziehen, und wünschten natürlich Ileisa in ihrer Nähe zu behalten.
„Na ja,“ schloß er, resigniert sprechend, und indem er wenigstens äußerlich gute Empfindungen gegen seine Schwiegertochter hervorkehrte. „Der Mensch baut sich etwas auf und glaubt unter ein sicheres oder noch besseres Dach zu gelangen. Das Schicksal aber schiebt sich rücksichtslos dazwischen und bestimmt es nach seinem Gefallen.
„Und dann muß man sich eben anders einrichten.
„Deiner Tante bitte ich eine Entschuldigung auszusprechen, daß ich noch nicht bei ihr war, aber es wird ehestens geschehen.
„Auch Mutter und Margarete werden sich baldigst bei ihr sehen lassen.
„Uebrigens,“ beendete er seine Rede: „Hast du einen Brief von Arthur? Er ist ja nach England gereist! Was schreibt er dir?“
„Ja,“ entgegnete Ileisa, und holte gleichzeitig ein Schreiben von ihrem
Manne hervor, das sie ihm mit stummer Miene überreichte. Es lautete ohne
Anrede:
„Ich teile Dir von hier, von Köln aus, mit, daß ich auf längere Zeit, möglicherweise für mehrere Monate, nach London und Paris gehe. An meinen Vater schrieb ich Deinet- und Deiner Tante wegen. Du wirst — ich bin dessen sicher — Zufriedenstellendes von ihm hören. Deine Tante besuchte ich noch vor meiner Abreise und fand sie unter den von ihr angenommenen Voraussetzungen mit unserer Trennung einverstanden. Nach meiner Rückkehr wird die Scheidungsklage schon wesentlich weitergerückt sein, und alles wird sich ohne Verdrießlichkeiten und ohne Aufsehen vollziehen, sofern Du und Deine Tante dem Unabänderlichen zuvorkommend die Hand reichen.
Noch eins: Gestern abend traf ich zu meiner Ueberraschung im Hotel du
Nord Frau von Klamm, die denselben Weg nimmt. Wir fahren zusammen!
Dies unter uns.
Und nun Addio! Ich grüße Dich.