„Wie? Du bist noch in Besitz von Schmuck, Mama!? Das ist ja eine ausrichtende Nachricht — du sagtest es mir nicht.“

„Ich that's nicht, um dir's vorzuenthalten, sondern für den alleräußersten Fall.“

Sie sprach's mit liebevollem Blick, und er küßte sie. Dann besah er den
Inhalt des kleinen Kästchens, das sie aus der Kommode hervorholte.

Bevor Klamm von seiner Mutter Abschied nahm, sagte sie:

„Es ist eigentlich verkehrt, daß wir nicht zusammen wohnen, Alfred.
Könntest du nicht ein Logis für uns beide dort mieten? Hier unter diesen
Menschen ist's nicht angenehm! Meine Wirtin ist neugierig und
zudringlich, die übrige Umgebung stößt mich sehr ab.“

„Ich nahm nur erstmal, was sich bot, Mama. Alle Wohnungen in den besseren Vierteln kosten das Dreifache.“

„Ich blieb nur im Hotel, weil ich dem Wirt noch verschuldet bin. — Ich mußte und muß dort vorläufig wohnen! Ich will indessen heute mit dem Besitzer sprechen. Vielleicht läßt sich deine Uebersiedelung machen. Ich würde nur zu glücklich sein, dich bei mir zu haben. Vielleicht gelingen auch meine Pläne bei Herrn Knoop rascher, als ich annehme. Habe ich erst ein festes Einkommen, miete ich für uns eine Wohnung im Westen.

„Ach, Mama — wäre ich erst so weit, wie anders würde mir zu Mute sein!“

Nach diesen Worten schlang der Mann seinen Arm um die Gestalt der zartgebauten Dame, versprach am folgenden Tage wiederzukommen und stieg eilend die Treppe herab.

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