„Wenn Sie, verehrter Herr von Klamm, den Eindruck gewinnen, daß mein Bruder die Reise nur vorgiebt, daß es lediglich darauf abgesehen ist, mir wieder Geld abzunehmen,“ erörterte Knoop, „so lösen Sie kein Bildet, sondern händigen ihm die Hälfte, nämlich 1250 Mark unter der Bedingung aus, daß er vorher das hier von mir schon heute morgen ausgefertigte Schriftstück unterschreibt.
„Dann bringe ich eben dieses Opfer noch ein- und zum letztenmal.
„Und nun noch zu etwas anderem, bester Herr von Klamm! Es muß das einmal zwischen uns erörtert werden,“ fuhr Herr Knoop ernst geschäftig fort, und seine Mienen und seine dann folgenden Worte versetzten Klamm in eine starke Unruhe:
„Als Sie mir damals näher traten, erklärten Sie, daß Sie — ich habe Sie nicht danach gefragt, Herr von Klamm — verlobt seien.
„Es wird nun von allen Seiten darüber gesprochen, daß Sie Ihr Fräulein Braut mit einem sehr auffallenden Geheimnis umgeben, nie von ihr reden, sie nicht zeigen. Einige behaupten, Sie wollten die Verbindung wieder lösen, Sie hätten sie sogar schon wieder gelöst.
„Es ist mir sehr peinlich, uns allen, daß wir immer wieder auf diese Angelegenheit angeredet werden. Ich möchte Sie daher freundschaftlich bitten, mir Ihr Vertrauen zu schenken, mir offen und ehrlich zu erklären, wie die Dinge stehen.
„Ich hoffe, Sie erkennen darin keine unbescheidene Zudringlichkeit, sondern nur den wohl begreiflichen Wunsch, Klarheit zu gewinnen.
„Also ich bitte: Sprechen Sie, und seien Sie versichert, daß ich Ihre Erklärungen so entgegennehmen werde, wie es unseren Beziehungen entspricht!“
Was ging nicht alles durch Klamms Inneres bei dieser Rede! —
So völlig unerwartet kam ihm diese Aufforderung. Während er noch vor einer Stunde hatte die Dinge nach seinen Gedanken lenken wollen, wurde er nun plötzlich durch die Umstände zu einer Entscheidung gedrängt. Es galt jetzt: Wahrheit oder fernere Verschleierung, volle oder halbe Wahrheit!