„Sie haben recht und unrecht, Herr von Klamm! Aber jedenfalls hat — ich wiederhole Gesagtes — das gute Einvernehmen zwischen uns durch die Umstände einen Bruch erlitten.

„Ich schlage Ihnen vor: Trennen wir uns in Frieden! Verschärfen wir den Riß nicht durch eine Fortsetzung solcher Gespräche. Ich mache Ihnen den Vorschlag, daß Sie noch einige Zeit bleiben, um alles abzuwickeln, und daß wir dann von einander scheiden. Es trifft sich, daß mein Sohn aus dem Ausland zurückkehren will! So kann er an Ihre Stelle treten!“

„Ah —“ ging's langgedehnt über die Lippen Klamms, und er wollte hinzufügen: „Nun ist mir alles verständlich!“

Aber er sprach nicht mehr. Nur noch eine Verneigung erfolgte, aus der hervorging, daß er sich mit Herrn Knoops Vorschlägen einverstanden erklärte. —

Er erfuhr auch nicht, in welcher Weise sich Herr Knoop mit seinem Bruder auseinandergesetzt hatte. Er sah nur nach einer geraumen Weile Theodor Knoop aus dem Hause treten und die Straße hinabschreiten.

* * * * *

Klamm und Ileisa, die sich an einer von ihnen schriftlich vereinbarten
Stelle in der Bellevuestraße getroffen hatten, wanderten durch den
Tiergarten und nahmen die Richtung nach Charlottenburg.

Anfänglich stockte das Gespräch. Ileisa legte eine starke Befangenheit, aber auch eine auffallende Unpersönlichkeit in ihrem Wesen an den Tag. Sie sah sich wiederholt scheu um, ob man sie auch beobachte, und betonte zu Klamms Enttäuschung, daß sie nur ihr Wort nicht habe brechen wollen, daß sie sich eigentlich anders entschlossen habe. Von jener versteckten Hingabe, mit der sie ihm an jenem Abend das Herz heiß gemacht und in ihm so berechtigte Hoffnungen erweckt hatte, trat nichts zu Tage. Sie war offenbar durch die letzten Geschehnisse völlig beeinflußt. Sie nickte nur mit ernst stummer Miene, als sie Klamm fragte, ob sie schon wisse, daß er das Knoopsche Geschäft verlassen werde, und löste ihre Zunge erst auf seine eindringlich zuredenden Worte.

Sie erklärte, daß sich Herr Knoop sehr scharf geäußert, daß er alles ausführlich erörtert und auch die vollständige Beipflichtung der Damen gefunden hätte.

Er habe gesagt, daß die Unwahrheiten, die Klamm gesprochen, deshalb so unentschuldbar seien, weil zu deren Aeußerung keine Nötigung vorgelegen habe. Es sei sicher doch etwas mit seiner Vergangenheit nicht in Ordnung. Der anonyme Briefschreiber habe ein Recht gehabt, vor ihm zu warnen. Sein ganzer Lebensgang sei sehr abenteuerlich gewesen, und nicht mit vollendeter Verstellungskunst freimütig hervorgebrachte Worte, sondern Thatsachen wären in solchen Fällen entscheidend. Theodor Knoop habe Klamms Beschuldigungen mit Entrüstung zurückgewiesen. Aber noch mehr! Er habe geäußert: nicht er habe Klamm zu fürchten, sondern Klamm ihn! Er meine in ihm einen früheren bekannten, übel beleumdeten Gelegenheitsmacher entdeckt zu haben, der schon wiederholt wegen sehr bedenklicher Affären von sich reden gemacht habe.