„Jedenfalls erwarte ich dich morgen mittag zu einer Besprechung in meiner Wohnung. Für jetzt achte das Gastrecht und lasse uns in Frieden ziehen!“

Nach dieser Antwort streckte sie ihm — äußerlich auch jetzt noch mit leichter Unbefangenheit und unter anmutiger Geberde, — die Hand hin und wollte von ihm zurücktreten.

Er aber hielt sie und sprach mit nunmehr unverstellter Stimme:

„Zu Ihnen redete Freiherr, Alfred von Klamm! Er will — eingedenk früherer Beziehungen — Ihrem Wunsch stattgeben. Er wird morgen mittag bei Ihnen erscheinen und die Angelegenheit weiter besprechen!“

„Ah — Klamm — also wirklich — Sie!?“ stieß die Frau in höchstem Erschrecken heraus. Ihre Stimme bebte, auch ihre Gestalt. Sie mußte sich an den Thürpfosten lehnen, um nicht einer Schwäche zu unterliegen. Er aber wußte sie unauffällig zu stützen und flüsterte:

„Ich verlasse jetzt die Villa, damit Sie sich ohne Zwang Ihren Gästen ferner zu widmen vermögen. Im übrigen: Es bleibt bei unserer Abrede! Sie wollen es mir nochmals bestätigen!“

„Ja, auf morgen!“ drang in einem gefügigen Ton an sein Ohr, während er sich nun rasch zurückzog. Grade wälzte sich auch wieder ein Schwarm von Masken heran, der den Wintergarten betreten wollte, aber auch Diener erschienen, die Champagner und andere Getränke darboten. Und sie schob die Maske beiseite, griff nach einem Glase und stürzte den Inhalt hinunter.

Jetzt erst gewann sie wieder die alte Fassung und Sicherheit zurück. —

* * * * *

Mit klopfendem Herzen erwartete Frau von Krätz am folgenden Morgen den Besuch ihres einstigen Anbeters, des Freiherrn von Klamm. Er war während seines früheren Aufenthaltes in Dresden ein täglicher Gast in ihrem Hause gewesen, hatte sich von ihrer Liebenswürdigkeit bestricken lassen und ihr zuletzt einen Antrag gemacht.