Das zweite Wort galt der Frage seiner Mutter: ob sie ihn auch gepflegt habe, wo sie sei?
Nun mußte Frau von Krätz mit der Wahrheit hervortreten! Sie berichtete, daß Frau von Klamm dem Tode nah' daniedergelegen habe, daß sie sich indessen in der Besserung befinde, daß die Nachricht von seiner fortschreitenden Genesung besonders günstig auf sie gewirkt habe.
Ein Ausdruck glückseliger Befriedigung trat in Klamms Züge. Wiederum drückte er Frau Adelgunde die Hand.
Und so vergingen die Tage, und wieder verliefen zwei Wochen, und dann konnte Klamm zum erstenmal anstehen und ihr, die wie eine Schwester an ihm gehandelt, gegenübersitzen.
Während sie, selbst noch bleich von der Pflege, der Sorge und den
Anstrengungen der Nachtwachen, aber mit einer gleichsam vergeistigten
Schönheit vor ihm saß, ihre stillen, liebewarmen Augen auf ihn richtete,
sagte er:
„Ich habe in diesen Tagen der Ruhe und des Nachdenkens immer wieder darüber nachgedacht, wie sehr ich während meiner ganzen Lebenszeit ohne die Unfälle gerechnet habe.
„Immer, wenn ich eben glaubte, mein Spiel zu gewinnen, die Dinge nach meinem Willen lenken zu können, zog am Himmel eine Wetterwolke auf, entlud sich und zerstörte, was ich geplant oder gar schon aufgebaut hatte.
„Ist immer der Charakter auch des Menschen Schicksal? Ich frage mich, ob ich allezeit die Schuld an den Enttäuschungen trug, die mir geworden sind!?
„Vielleicht! Vielleicht deshalb, weil ich mich niemals begnügen konnte, nur eine Nummer zu sein, weil ich — einmal auf dieser Erde, und mit Kräften und Genußsinn versehen, — auch dem Leben etwas abgewinnen, ja, etwas erreichen, erobern, mein Eigentum nennen wollte.“
„Beziehen sich Ihre ersten Worte auch auf das, was Ihnen hier geschah?“ fiel Frau Adelgunde ein.