Sie schrieb an Putz zu diesem Zwecke einen kurzen Brief, in welchem sie die Bitte aussprach, sie wegen einer dringenden Angelegenheit bei seinem gewohnten Morgenspaziergang durch einen Besuch erfreuen zu wollen.

„Nun, verehrte Frau Gräfin, da bin ich,“ sagte er, stieß den Schnee von den Füßen und trat in das Wohnzimmer.

Ange stand noch in einer weißen Schürze, und ihre Hand hielt ein Wischtuch und einen Staubwedel, mit welchem sie Winkel und Ecken gesäubert hatte. Ben, der nun auch wie Jorinde wegen eingetretener Erkältung das Zimmer hüten mußte, befand sich im Nebengemach. Er trat bei des Nachbars Erscheinen einen Augenblick hervor, verbeugte sich höflich und zog dann leise die Thür an. Nun war Ange mit Putz allein.

„Bitte, nehmen Sie Platz, lieber Herr Nachbar,“ sagte sie etwas verlegen, streifte die Schürze ab, strich über die erregte Stirn und holte einen Stuhl herbei, um sich ihm gegenüber zu setzen.

„Wollen Sie nicht im Sofa—“

„Nein, bitte, bitte, ich sitze hier sehr gut. Muß auch gleich wieder fort,“ erwiderte er kurz, legte während des Sprechens die Hände auf den Knopf seines Spazierstockes und richtete sein noch von der Kälte umwehtes, aus dem hohen Pelz herausschauendes listiges Gesicht auf Ange. „Sie schrieben mir, daß Sie mich zu sprechen wünschten, Frau Gräfin.“

„Ja, Herr Putz, und ich habe zunächst um Entschuldigung zu bitten, daß ich Sie bemüht habe, statt zu Ihnen zu kommen.“

„Das hat ja nichts auf sich,“ erwiderte er ebenso kurz und fuhr mit einem Anflug von Ungeduld fort: „Nun also, Frau Gräfin, bitte—“

„Ich sprach neulich mit Ihnen über eine Geldsache, Herr Putz. Sie hatten die Güte, mir Ihren Rat zu erteilen, und ich fand bei näherer Überlegung, daß Sie recht hatten,“ begann Ange rücksichtsvoll. „Heute handelt es sich um Ähnliches, aber um etwas—“ Ange hielt mitten im Sprechen inne, erhob sich, ging an ihren Schreibtisch und nahm ein Geldbriefkouvert heraus. „Sehen Sie, Herr Putz, das ist die letzte Geldsendung, welche ich am ersten Oktober empfing. Es sind Zinsen, die ich vierteljährlich erhalte. Ich komme bis Neujahr nicht aus—ich hatte viele unerwartete Ausgaben gerade in den letzten Tagen. Da wollte ich Sie nun freundlich bitten, Herr Putz, daß Sie die große Güte haben möchten, mir bis Januar mit einer Summe auszuhelfen.“

Ange hielt zaghaft inne und blickte den Mann an, der wie eine
Brunnenfigur vor ihr saß und keine Miene verzog.