Nein! nein! Entsetzlich! Lieber Not leiden, ja betteln, als ihren süßen Geschöpfen auch nur ein Haar krümmen! Und Sterben war nicht eine Sache des Willens; zum Selbstmord gehörten tausend Dinge, die sie nicht verstand und bei deren Vorstellung ihr grauste.
„Barmherziger Schöpfer, vergieb! Vergieb auch Du mir, mein Carlos, diese gräßlichen, unreinen Gedanken!“ betete Ange, faltete die Hände und atmete, aus dem Schauder ihrer Vorstellungen befreit, erleichtert auf.
Sie besaß so kostbaren Schmuck, daß sie durch dessen Verwertung noch eine Zeit lang ohne Wohlthaten leben konnte. Diese Überlegung war ihr gekommen in der letzten schlaflosen Nacht und erleichterte ihr wenigstens die nächsten Sorgen.
Bevor Ange, durch die Handwerker aufgestört, das Zimmer verließ, brachen doch noch einmal die Thränen unaufhaltsam hervor. Sie rief eilend die Kinder, ließ sie niederknien und betete mit ihnen.
„Hattet Ihr ihn lieb, Euren Papa?“ schluchzte sie.
Die Kinder nickten ängstlich und scharten sich mit den feinen blassen
Gesichtern um die Mama.
Als sie sich endlich zur Thür wandten, schmiegte sich die kleine Ange an ihre Mutter und sagte: „Wird Papa auch so hübsch begraben wie Carlitos?“
Bei dieser Frage zuckte Ange zusammen.
„Nein, Ange, nein! Onkel Axel ist ja nicht da.“
„Kommt er denn nicht?“