Ich bitte, mein süßes Kind—komm mit—komm mit auf die Bank! Laß uns plaudern. Höre, wer ich bin, und wisse, ich bin deiner wert!"

Imgjor fehlte der Atem und es versagten ihr die Worte. Sie wollte schreien, Hilfe rufen und vermochte es nicht. Mit ungeheurer Kraft hob er sie empor, trug sie in das Innere des Parkes und verschwand mit der Halbohnmächtigen unter den Bäumen.

* * * * *

Im Rankholmer Palais saß in seinem dreifenstrigen durch den Anstrich sanfter Pfirsichfarben reizvoll gehobenen und mit alten Ovenschen Gemälden und seltenen nordischen Möbeln geschmückten Arbeitsgemach Graf Peder Lavard und rauchte aus einer kostbaren Meerschaumpfeife. Dem silberbeschlagenen Kopf entstiegen in blauen Ringen emporschwebende, einen verführerischen Duft verbreitende Wölkchen, und ein Ausdruck ausnehmender Behaglichkeit haftete in den Zügen des Besitzers des Schlosses.

Ihm gegenüber, in einen hohen Sessel aus dem sechszehnten Jahrhundert zurückgelehnt, plauderte der Marquis von Curbière, der heute einen schneeweißen Anzug aus einem Pariser Magazin trug, und nun eben eine kleine, dünne Cigarette durch rasche Berührung mit einer brennenden Wachskerze entzündet hatte.

Die Herren unterhielten sich über eine am kommenden Tage bei Hofe
Stattfindende Festivität, zu der, mit Ausnahme von Imgjor, sowohl die
Familie Lavard, wie auch der Marquis, nach vorangegangener Einzeichnung
seines Namens in das in dem königlichen Vorzimmer ausgelegte Meldebuch,
Einladungen empfangen hatten.

Und eben, daß man Imgjor ausgeschlossen, daß man, wie stets, von ihr gar keine Notiz genommen hatte, brachte das oft erörterte Thema ihrer Emanzipation von neuem in Fluß, ließ die Herren überlegen, durch welche Mittel man sie endlich von ihren Abenteuerlichkeiten kurieren könne. Umsomehr beschäftigte sich die Familie mit Imgjor, als einige Vorfälle der letzten Zeit auch ihren Namen wieder in sehr unliebsamer Weise in die Oeffentlichkeit gebracht hatten.

Immer stand Graf Lavard unter der Befürchtung, daß seinen guten Beziehungen zum Hofe durch Imgjors Verhalten ein Abbruch geschehen könne. In den Zeitungen war mitgeteilt worden, daß der frühere Geistliche Kollund in Sommerlyst einen von Tausenden besuchten Vortrag gehalten und daß die bekannte Grevinde Lavard demselben nicht nur von Anfang bis zu Ende beigewohnt und ihm sehr lebhaft Beifall gezollt, sondern auch noch mit dem Redner später lange Nachtstunden allein konferiert habe.

Und am nächsten Tage hatten dieselben Zeitungen zu erzählen gewußt, daß ein Anfall auf die Komtesse verübt sei.

Nach jenem Vortragsabend sei sie unvorsichtigerweise allein nach Hause geschritten und, in der Nähe des Rosenborger Parkes angelangt, von einem Strolch, dessen Familie sie viele Wohlthaten erwiesen habe, überfallen und übel zugerichtet worden. Sie liege an einem Nervenfieber darnieder und werde von einer barmherzigen Schwester gepflegt. Auch ihre Angehörigen weilten täglich an ihrem Lager.