"Was will er denn noch hier?" Imgjor sprach's mit ihrer alten
Schroffheit.
Statt zu antworten, griff Lucile nach dem Schriftstück, das sie in dem Buch gefunden, und sagte: "Lasse mich dir als Erwiderung vorlesen, was du geschrieben hast, Imgjor!"
Und Lucile las: "Gehemmte Liebe gleicht einem vergeblich nach einer
Flamme ringenden Feuer. Wie dort unter kämpfendem Schwelen, unheimlichem
Rauch und Qualmen, der Gegenstand zu Asche verbrennt, so hier unter
dumpfen Qualen allmählich die—Seele."
Imgjor schloß erst die Augen. Blässe zog über ihre Wangen. Dann neigte sie das Haupt, reichte ihrer Schwester still die Hand und sagte: "Also morgen Mittag, Lucile, erwarte ich des Grafen Besuch. Wir werden dann für immer einen Abschluß erhalten."
Lucile sah erschrocken empor. Einen so düsteren Klang hatten die Worte.
Aber als sie in Imgjors Zügen forschte und dort einen Ausdruck sanfter
Ergebung begegnete, zerstreuten sich ihre Gedanken.
Noch wenige Sekunden, dann hatten sich beide getrennt.
* * * * *
In einer herzklopfenden Erregung stieg am folgenden Mittag Graf Dehn zu der von Imgjor angesetzten Zeit die Treppe zu deren Wohnung empor. Er sah auch gleich die, nach der sein Herz verlangte.
Als er ihre Hand ergriff und sie tiefbewegt an seine Lippen zog, flog ein Zittern durch des jungen Mädchens Körper, und zunächst fehlten ihr die Worte.
Aber da sie nicht weich werden, da sie diesem Gespräch den Charakter nehmen wollte, den Graf Dehn ihm zu geben beabsichtigte, sagte sie mit sanfter Unterordnung im Ton: