Nachdem Graf Dehn diesen, scharf trabend, nach Verlauf einer halben Stunde erreicht hatte, durcheilte er ihn von einem Ende zum anderen, hielt auch auf einem mitten im Gehölz auf einer Anhöhe befindlichen Pavillon an und sah sich hier nach Imgjor um. Aber es war nichts von ihr zu bemerken, und er nahm daher, rasch entschlossen, die Richtung nach Oerebye.
Freilich konnte er, wenn er seinen Ritt soweit ausdehnte, nicht zum Frühstück in Rankholm zurück sein. Aber das ungeduldige Verlangen, festzustellen, ob wirklich Imgjor und der Doktor beisammen seien, ließ das in ihm aufsteigende Bedenken, ohne Entschuldigung fortzubleiben, rasch zurückdrängen.
Unterwegs, während er dahin galoppierte, bestürmten ihn seine Gedanken.
War's nicht im Grunde eine Thorheit, sich auf ein Mädchen zu kaprizieren, das ihm so entschieden auswich?
Und war's, wenn er wirklich ihre Zuneigung gewann, wünschens- und lohnenswert, ein weibliches Wesen solcher Art an sich zu fesseln? Er hatte sich eine ganz andere Vorstellung von der jungen Dame gemacht, von welcher ihm sein Vater gesprochen.
Er hatte ein mit Schönheit: Sanftmut und Liebenswürdigkeit verbindendes junges Mädchen zu finden erwartet und sah sich einer fanatischen Vertreterin der neuen Ideen gegenüber.
Und dann redeten doch wieder andere Stimmen, und sie flüsterten ihm zu, daß Nummern überall zu finden seien, daß er es hier mit einem charakterstarken und trotz aller Schroffheit warm fühlenden, edeldenkenden Wesen zu thun habe. Von einem solchen bevorzugt, gar auserwählt zu werden, erschien ihm des Ringens wert.
Und diese Vorstellung gab dann seinen Gedanken wieder eine andere
Richtung.
In Oerebye angelangt, hielt Graf Dehn vor demselben Gasthofe, in dem er kurz vorher mit Imgjors Vater und dem Grafen Knut eingekehrt war, und schon während des Eintritts in die gemütlichen Vorräume des Gebäudes warf er die Frage hin, ob jemand aus Schloß Rankholm anwesend sei.
Der sorgfältig rasierte, höfliche Oberkellner nickte bejahend.